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Erscheinungsdatum: 12.06.2009
Label: Varese Sarabande
von Kati Hofacker
Mit dem zweiteiligen Epos "Che" von Regisseur Steven Soderbergh startet nun ein weiterer Film über den charismatischen Ernesto "Che" Guevara, über die faszinierende kubanische Revolution, über den Hinterhalt, der ihn das Leben kostete. Bei der Thematik könnte man zur musikalischen Untermalung Guajara-Romantik, Son und Habanera erwarten. Soundtrack-Komponist Alberto Iglesias umschifft diese Klischee-Klippen allerdings durchaus geschickt.
Und um Missverständnissen vorzubeugen: Nein, Alberto Iglesias ist kein weiterer unmusikalischer Sohn von Julio Iglesias. Im Gegenteil. Weder verwandt noch verschwägert und dazu hochgradig begabt. Schließlich ist der aus San Sebastian stammende Komponist nicht umsonst der Lieblings-Scoreschreiber von Pedro Almodóvar und Julio Médem, lieferte bereits zu "Volver" und "Alles über meine Mutter" tolle Scores ab.
Seine Stärke sind ausdrucksvolle bis expressionistische Sounds, Töne, die geprägt sind von den Ideen Strawinskis oder Charles Ives'. Mikropolyphonie à la György Ligeti steht hier vor den üblichen romantischen Klangideen der Filmschreiber, die Schönheit eines Arvo Pärt - nur mit weniger Glockenklang - paart Iglesias mit sehr wenigen konventionellen Ideen. Höchstens mal schimmert ein Claude Debussy durch die Noten, nur wenige Tracks wie "March", "Political Skills" oder "Military Skills" wirken traditionell.
Und Iglesias nutzt zwar auch sonst das Orchester samt Klavier, aber dank ausdrucksvollen Ideen wie Flageolett-Tönen, Pizzicati, Bassflöte, Dudelsack, Geräusche, Atonalität oder ungewöhnliche Perkussionsinstrumente, wirkt der Soundtrack eher wie ein Stück spannender zeitgenössischer Musik. Hin und wieder ertönt eine akustische Gitarre, vor allem als Leitmotiv für Che selbst.
Auch Steven Soderbergh ("Ocean's Eleven") gönnt sich im Film alle Zeit der Welt kostet die Szenen aus. Auch insofern ist der Soundtrack ist für dieses psychologisch interessante Stück Kino wie geschaffen. Für jeden der beiden Film-Scores leistet sich Iglesias jeweils einen Song, einmal von Silvio Rodriguez aus Kuba und einen von Mercedes Sosa. Die hätte er auch weglassen können, aber na ja. Trotzdem sehr gelungen.
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