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Erscheinungsdatum: 23.10.2009
Label: Deutsche Grammophon - Universal Classics & Jazz
von Kati Hofacker
Vielleicht hat Sting Gott gesehen? Sein neues Oeuvre "If On A Winter's Night" und sein neues Konzept, der Look und der Sound lassen es vermuten. Wie auch immer: Der Hörer jedenfalls ist der Erleuchtung nach dem Genuss des außergewöhnlichen Albums ein deutliches Stück näher gekommen.
Sting, aka Gordon Matthew Thomas Sumner, früher charismatischer Chef von The Police, bekam die himmlische Eingebung für dieses kammermusikalische Werk an einem stürmischen Februar in der Toskana, als der Wind um sein Haus brauste, das er nahe bei Florenz seit zehn Jahren als Rückzugsort besitzt. Genau dort sollte sein neues Album aufgenommen werden.
Sieben Musiker trafen sich, warm eingewickelt, um die Feuerstelle in der Küche, um Altes und Neues einzuspielen. Kathryn Tickell, eine traditionelle Pipes- und Fiddle-Spielerin aus Stings Heimat Newcastle, Julian Sutton, ebenfalls altertümlicher Musikant (Melodeon) aus Newcastle, Gitarrist Dominic Miller (seit 20 Jahren mit Sting im Schlepptau), die schottische Harfenistin Mary Macmaster, Meisterin der keltischen Musik. Cello, Geige, Sopransaxophon, ein antikes Vokalensemble und Percussion vervollständigen die ungewöhnliche Besetzung des Albums.
Das Ganze sollte eine "Meditation über die verschiedenen Aspekte des Winters" werden. Und in der Tat vielfältig ist "If On A Winter's Night" geraten: Von Weihnachtsliedern im Viergesang wie "Lo How A Rose E'er Blooming", also "Es ist ein Ros' entsprungen", reicht die Palette über polyrhythmische Freudenlieder ("The Burning Babe") bis hin zu traditionellen Balladen wie "The Snow It Melts the Soonest". Klassisches findet sich im "Leierkastenmann" aus Schuberts "Winterreise", der zum "Hurdy Gurdy Man" wird und in zwei Stücken des englischen Barock-Komponisten Henry Purcells ("Now Winter Comes Slowly" und "Cold Song"). Dazu gesellen sich Kompositionen vom Meister selbst: "Lullaby For An Anxious Child", "Christmas At Sea" und "The Hounds Of Winter".
Die Sammlung wurde, so bunt sie ist, hervorragend recherchiert, voller Freude zusammengestellt und strahlt in wunderbaren Klangfarben. Einerseits altertümlich, keltisch, traditionell. Andererseits wiederum kammermusikalisch, hochgradig konzentriert und klerikal. Dann wieder weich, warm, samtig und symphonisch. Und am Schuss wird das Ganze noch gewürzt mit Stings außerordentlich sensibler Art, Melodien zu Pop zu machen und Pop zu Melodien. Das Drama in der Stille zu finden, die Melancholie ohne Kitsch, die bedingungslose Demut gegenüber der Musik ohne Anmaßung auszudrücken, das gelingt Sting auf "If On A Winter's Night". Aufgrund dieser Tatsache nicht nur als Weihnachtsalbum bedingungslos zu empfehlen ...
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