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Erscheinungsdatum: 23.10.2009
Label: Warner
von Stefan Weber
Nein, R.E.M. waren im Nachhinein selbst nicht zufrieden. Konnten sie auch nicht, war ihr 2004er-Album "Around The Sun" doch unentschlossen, weich gespült und ziemlich gleichförmig geraten. Glücklicherweise zog das US-Trio die Notbremse. Man beschloss, dass das nächste Album die Live-Qualitäten der Band einfangen, wieder einfacher und direkter klingen sollte. Vor allem aber wollten Michael Stipe, Mike Mills und Peter Buck wieder Spaß an der eigenen Musik haben. Als Folge all dessen testeten R.E.M. im Herbst 2007 bei fünf intimen Konzerten in Dublin im Herbst 2007 neues Material für "Accelerate". Und dass die Spielfreude tatsächlich zurückgekehrt war, zeigt das Doppel-Album "Live At The Olympia" eindrucksvoll.
Vor ausgewählten Fans aus aller Welt wagten R.E.M. sich nicht nur erstmals mit Songs des einige Monate später erscheinenden Albums an die Öffentlichkeit, sondern starteten, wie Sänger Michael Stipe während der Show verkündet, ein "Experiment". Auch wenn er gleich darauf das Projekt ein wenig herunterspielt: "Wir sind R.E.M. und das ist, was wir machen ... wenn ihr nicht hinschaut. Das ist nur eine Probe." Vielleicht um dem neuen unerprobten Material etwas Passendes entgegenzusetzen, rekrutierte sich ihre Setlist aus Songs, die ihnen selbst schon wieder so gut wie unbekannt gewesen sein dürften.
Denn unter den 39 Titeln auf "Live At The Olympia" finden sich nur wenige R.E.M-Hits - kein "Losing My Religion" oder "Man On The Moon", lediglich "Drive" vom 1992er-Meisterwerk "Automatic For The People" schaffte es in die Setlist. Ansonsten dominieren selten live gespielte Songs aus dem Frühwerk der Band das Programm. Die ohne großes Brimborium in größtmöglicher Lockerheit präsentiert werden. Wobei der sich auch Fehler einschleichen dürfen: "Disturbance At The Heron House" muss die Band nach einem Fehlstart noch einmal von vorne beginnen.
Ansonsten zeigt sich hier noch einmal deutlich, warum "Accelerate" eine Rückkehr zu alter (Rockband-)Stärke bedeutete. Die neuen Songs stehen wie selbstverständlich neben den abseitigen, von Stipe vermurmelten College-Rock- und Jangle-Pop-Stücken aus den frühen 80-ern. Höhepunkte sind dabei "1.000.000", "Carnival Of Sorts" und "Wolves Lower" - allesamt Stücke von ihrer ersten EP "Chronic Town". Nicht nur an den gelegentlichen Ansagen und Witzen von Stipe merkt deutlich, wie viel Spaß das Trio aus Athens, Georgia, bei dieser Wiederentdeckung hatte. Und mit "Accelerate" und "Live At The Olympia" jetzt können R.E.M. auch definitiv wieder mehr als zufrieden sein.
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