Zdob(si)Zdub


Zdob(si)Zdub
Ethomecanica
Lawine

Zdob(si)Zdub - Ethomecanica

22.05.2008

Erscheinungsdatum: 28.03.2008
Label: Lawine

von Kati Hofacker

Die östlichen Klänge von Musikern und DJs wie Goran Bregovic, Gogol Bordello und Shantel, kurz Bucovina-Club-Mucke, sind schwer im Kommen, und in zartem Reigen halten sich bei diesen Klängen intellektuelle Jazzhörer, Punks, Rockfreaks und Ethnofreunde an der Hand, um in den Mai hineinzutanzen. Punks? Ja, klar, vor allem, wenn Zdob(si)Zdub aufspielen - die erste Hardcore-Ethno-Metal-Kapelle in deutschen Plattenläden und - noch wilder - auf deutschen Bühnen.

Nun muss man wissen, welche geballte Manpower hinter den sechs pittoresken Musikanten aus Moldawien steckt: Hage Hein nämlich, der Entdecker von Hubert von Goisern, Manager von Ringsgwandl und Förderer von (früher mal wirklich witzigen) Talenten wie der Ersten Allgemeinen Verunsicherung. Ein gewisses Maß an Biss, Humor, Selbstironie und ethnologischer Respektlosigkeit kann also auch im Falle von Zdob(si)Zdub vorausgesetzt werden.

Und tatsächlich nehmen es Sänger Roman Igapugov und seinen Mannen nicht so genau mit der Treue am moldawischen Liedgut. Im Gegenteil. Da wird gepunkt, geschrammelt, gedonnert und geklotzt, dass das Rebellenherz samt den Amps hüpft, bis der Arzt oder doch zumindest der Statiker vom Bauamt kommt. Egal, ob Punk, Ska oder Songwriter-Klänge im Vordergrund stehen: Die radikal-virtuosen osteuropäischen Trompetengötter kommen nur noch in Spurenelementen zum Tragen, dann aber punktgenau. Beispielsweise wenn der heftige Metalcore-Refrain "Hardcore Moldovensc" unterbrochen wird, um in rumänische Volksweisen einzumünden, oder wenn Hirtenflöten den meditativen Strophenpart ablösen.

Auf "Cantec de Drum" rappt Roman über etwas, das klingt wie Goran Bregovic nach einer intravenösen Infusion Heavy Metal, während die dazwischen leise erklingenden Strophen eher an den Buena Vista Social Club erinnern, denn an die Homebase Moldawien. Moldawien, Rumänien und die Ukraine gelten trotzdem als die Hauptabnehmer der Zdob-Silberlinge.

Hin und wieder hört man AC/DC-Gitarren, die mit Dudelsackfeeling aufgehübscht werden, dann wieder können den Hörer radikale Marschrhythmen nerven, die später wieder in den humpelnden, so typischen wie genialen Zwiefachen landen.

Die ebenso anstrengende wie lustige "Ethnomechanica" könnte auch "Ethnometallica" heißen, und der Longplayer bietet einen furiosen Ritt durch die Kulturen. Das, was uns hier auf Englisch und Rumänisch oder Moldawisch dargeboten wird, ist eine schrille Zusammenstellung von Virtuosität, Humor und zirkusbunten Kuriositäten, ein Mix zwischen "Gucha", dem Hummelflug, Rock'n'Roll, Metal und Punk, der sich hinter Göttern wie Gogol Bordello nicht verstecken muss. Und um auf den Anfang - den Mann dahinter - zurückzukommen: Ja, Track 15 heißt tatsächlich "Koa Hiatamadl" - und als Gast am Mikro jodelt der Urheber Hubert von Goisern, der die Jungs als Anheizer mit auf seiner Tournee dabei hatte. Und, ja, "Zdubi Bateti Tare" ist ein Shantel-Remix. Schick, oder?

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