Young Ax


Young Ax
Higher Ground
Santorin

Young Ax - Higher Ground

21.02.2008

Erscheinungsdatum: 25.01.2008
Label: Santorin

von Kati Hofacker

Drum 'n' Bass ist schon oft totgesagt worden. Dass sich ausgerechnet Deutschland immer wieder wie das berühmte "kleine gallische Dorf" verhält, das beweist Young Ax mit seinem Debütalbum "Higher Ground".

Drum 'n' Bass hat eine sehr eingeschränkte Erscheinungsweise: Er ist entweder verhältnismäßig fantasievoll und damit gut, oder er kommt als leeres Geklappere durch die Boxen, an dem sich nur noch etwas benebelte Hirne nach der After-After-After-Hour erfreuen können. Young Ax möchte natürlich zu den Vertretern der ersten Variante gehören, und er tut einiges dafür.

Mit der den Deutschen eigenen Gründlichkeit betreibt Young Ax, auch als Alexander Zwingenberger bekannt, Recherchen in puncto alte Funk- und Soulplatten. "Bei mir passiert immer etwas während des Songs, ähnlich einem Live-Konzert, bei dem sich auch jemand verspielt." Starke Worte, die der junge Berliner da von sich gibt, und beim genauen Erforschen und Zerschnippeln seiner Tracks bemerkt man, dass er es ernst meint. Da wurde ineinander verschachtelt, overdubbt, gehäckselt und verziert, dass das Bastlerherz vor Freude hüpft. Ob es allerdings in wildem Tanzzwang springen möchte, darf bezweifelt werden. Das liegt nicht an Young Ax' mangelndem Rhythmusgefühl, sondern am hektischen Wesen des Drum 'n' Bass an sich.

Young Ax ist ein Konstrukteur mit Spaß an Kleinigkeiten, mit Freude am Mikrokosmos, am Sound. Hier eine ätherische Klavierlinie, dort ein Streicherpart, oft eingeführt von interessanten Intros. Die Drums zischen schön stereo, als ob zwei Zeitraffer-Trommler sich den Wolf dreschen. Kein kühler Sequenzersound lässt die Musik erkalten, kein routinierter Trott langweilt den Hörer. Als großes Manko allerdings erweist sich Ax' Entschluss, auf Vocals zu verzichten. Denn alles, was er sich durch Bläsersätze, Streicher, Rhodes-Impros und echte (oder gut gesampelte) Drumsounds an Analog- und Wärmefaktor erspielt, gibt er durch den reinen Instrumentalcharakter seiner Tracks wieder ab. Das ist schade und wäre gar nicht nötig gewesen, denn ein paar Gesangszeilen hätten das liebevoll gezimmerte Schachtelprodukt in die Nähe zum Song und damit zum Hit gerückt.

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