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Erscheinungsdatum: 14.11.2008
Label: Noise Deluxe
von Nina Hortig
Es gibt kaum noch Bands, die noch mit einem Alleinstellungsmerkmal punkten können. Es wird geliehen, geklaut, zitiert. Auch Diego tun das fleißig. Und weil die Plattenfirma weiß, dass man ihnen das zum Vorwurf machen könnte, startet sie von selbst die Offensive. Diego klingen schon sehr nach Interpol und den Editors, man wisse darum. Doch das immerhin machten sie sehr gut. Warum nur so bescheiden? In der Tat erfinden Diego das Rad nicht neu, schlachten es vielmehr aus und basteln daraus einen neuen Drahtesel, den man eben nur noch zum halben Preis als "gebraucht" verkaufen kann. Doch der fährt auch sehr gut. Und warum auch nicht gleich der Vergleich mit dem Original? Diego klingen wie Joy Division, nur nicht ganz so depressiv. Wave light sozusagen, Wave für Lebenswache.
Aus dem Badischen, genauer gesagt aus Karlsruhe, kommen die fünf Jungs, deren Sänger Andreas dem Joy-Division-Frontmann Ian Curtis stellenweise unheimlich ähnlich klingt. Mit tiefschwarzer Samtstimme singt er von Liebe, Freiheit und "Isolation", von der Schwere in den Gedanken, von Versagensängsten. Die typischen Themen eben, aber ziemlich hörsinnig verpackt.
Melancholisch, düster, ein wenig nach britischer Suburbia klingen sie - wie man das eben erwarten würde von Musikern, die Joy Division huldigen. Doch Diego wollen eben nur huldigen und nicht adaptieren. Vielleicht schwingt deshalb ein wenig mehr Lebensfreude durch ihre Songs, die sich trotz einer gewissen Schwere die Leichtigkeit bewahren.
Der "September March" wirkt noch wie ein Galopp durch die düstere, trübe Herbstlandschaft, als wollten Diego sie einfach hinter sich lassen. "Fan City" klingt dagegen wie ein beschwingter Sprung in eine Regenpfütze. Eine interessante Basslinie eröffnet "Head Down", einen kantigen Song, der dann wieder stark an die großen Vorbilder von Diego erinnert. Aber besser gut geklaut, als schlecht nachgespielt.
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