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Erscheinungsdatum: 12.09.2008
Label: Elec-Trip
von Daniel Dreßler
Auf der diesjährigen Popkomm in Berlin wird die Türkei als Partnerland der Musikmesse verstärkt Akzente setzen. Wie in Istanbul der asiatische auf den europäischen Kontinent trifft, so ist auch die türkische Musikkultur ein Konglomerat aus europäischen und orientalischen Bausteinen. Gänzlich der abendländischen Musik verfallen, im Speziellen der Tanzmusik, sind Zi Punt, ein Trio, das mit seiner Single "Nudge" in seinem Heimatland für einiges Aufsehen sorgte. Zi Punt beweisen mit ihrem neuen Album "Nudge Nudge", dass sie die Mechanismen der Popkultur verstanden haben.
Das Projekt existiert zwar erst seit gut einem Jahr, die Mitglieder kennen sich aber im Musikzirkus aus. Gitarrist Oguz Kaplangi leitet nicht nur das Label Elec-trip, auf dem Zi Punt erscheint, sondern produziert auch andere türkische Dance-Acts. Sängerin Chi K. ist Co-Partner des Labels und lieh Oguz' Produktionen ihre Stimme. Und Keyboarder Orange alias Reuben de Lautour, gebürtiger Neuseeländer, hat unter anderem als DJ in New York gearbeitet und ist mittlerweile Direktor des Zentrums für erweiterte Forschung in Musik in Istanbul. Geballtes Wissen also, das sich in Zi Punt vereint. Das Ergebnis: einprägsame House-Rhythmen und knarziger Electroclash, die auf rotzig dahingeschrammelte Gitarren treffen. Das ist eigentlich nichts Neues, macht aber trotzdem gute Laune, weil die Ideen in den Songs zünden.
"Nudge" eröffnet das Album mit einem lässigen Mitsing-Refrain und schweißtreibenden Beats, die auch die Grundlage für die weiteren Songs bilden. Variation und Abwechslung entstehen durch das unterschiedliche Mischungsverhältnis zwischen elektronischer Frickelei und funkig-rockigen Gitarrenklängen. So fällt beispielsweise "Move Around" wesentlich housiger aus, während "Any Old Way" durch das ausgebaute Gitarrenspiel einen charmanten Indie-Rock-Einschlag erhält. Und nicht zuletzt ist es die wandelbare Stimme von Chi K., die mal kraftvoll, mal rotzig aus den Boxen tönt.
Zi Punt haben auf ihrem ersten Album alles richtig gemacht, was man nur richtig machen kann. Trotz oder vielleicht sogar wegen ihres musikalischen Backgrounds haben sie sich nicht dazu verleiten lassen, einen völlig verkopften, überintellektuellen Sound zu produzieren, der an den Hörern souverän vorbeimanövriert, sondern setzen mit ihren ohrgerechten Drei- bis Vierminutenhäppchen voll auf Eingängigkeit. Musik kann manchmal so einfach und so schön sein.
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