Thomas Quasthoff


Thomas Quasthoff
The Jazz Album - Watch What Happens
Deutsche Grammophon/Universal

Thomas Quasthoff - The Jazz Album - Watch What Happens

05.03.2007

Erscheinungsdatum: 02.03.2007
Label: Deutsche Grammophon/Universal

von Hans Czerny

"Come with me", singt der Weltklasse-Bariton Thomas Quasthoff mit leichter Stimme und entführt uns in die Leichtigkeit des Seins mit einem Gershwin-Song aus "Porgy and Bess" und dem Boot, das den Hafen Richtung New York verlässt. Diesmal singt Quasthoff, "die Stimme", nicht Mahler, Schubert oder gar Wagner, sondern - so zumindest der Titel seiner neuen CD - Jazz. Schon wieder also einer aus der langen Kette derer, die sich aus den Zonen der E-Musik hinüber ins andere Genre wagen. Die Reise gelingt - jedoch in Maßen.

Vor Grenzüberschreitungen hat sich der 1,35-Meter-Mann nie gefürchtet, hat sich schon immer mal wieder ins Neuland vorgewagt, von der Konzert- auf die große Opernbühne, zum Jazz oder gar zum Kabarett.

Quasthoff weiß stets, was er macht, er lässt - und in diesem Falle darf man vielleicht auch sagen: leider - nicht einfach mal alle vier grade sein. Der Mann weiß, dass der schwarze Blues nicht einfach mal so an jeder Ecke zu haben ist und dass einem der Swing nicht einfach mal so hinterherzulaufen beliebt.

Also kürzen wir's ab: Quasthoff singt sein "American Song Book", diese Sammlung der Nummern von Gershwin und Co., äußerst europäisch, sehr deutsch und brav, mit kraftvoll-depressiver Stimme mitunter, dort wo es gefordert ist. Und er swingt sehr munter drauflos, ohne einem Crooner wie Frankieboy Sinantra auch nur im Entferntesten Konkurrenz zu machen.

Er hat im Studio ein Riesenorchester zur Verfügung (Deutsches Symphonieorchester, Leitung: Nan Schwartz), aber auch Solisten vom Feinsten, darunter die Trompete des hier auch produzierenden Til Brönner, mit dem er in den besten Fällen gelungene Zwiesprache hält. Und doch: Hin zum wahren Jazz scheint der Weg noch ganz schön weit. Die rechte Befreiung, mithin das Improvisatorische, fehlt leider. Quasthoff macht es anders und besser als all die Klassik-Vorbilder, die sich im anderen Genre versuchen. Er arbeitet ohne Stütze, ohne falsches Tremolo. Aber er arbeitet immer noch zuviel. Irgendwie scheint er das auch gemerkt zu haben: Sein Knef / Niessen-Song "Eins und eins, das macht Zwei" hört sich jedenfalls als Dreingabe wie eine Befreiung an. Endlich wieder daheim - zurück vom Mississippi, zurück aus dem Lande des Blues.

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