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Erscheinungsdatum: 01.12.2006
Label: TVT/edel
von Gregor Jossé
"Wyclef sagte, wir seien die fetzigsten Rapper, die er je gehört hat", versichert Kaine von den Ying Yang Twins mit dem nötigen Selbstbewusstsein. Der Fugee-Kopf nahm sich des Duos an, er schmückte das rohe Crunk-Gerüst mit Musik aus. Das Ergebnis rotiert bereits auf den Plattentellern einiger Club-DJs: "Dangerous", die erste Single, basiert auf dem steinalten Radiohit "Maneater" und ist ein waghalsiger Cocktail aus nahezu jeder Stilrichtung. Ähnlich Mainstream-tauglich ist die gesamte zweite Hälfte des Albums, wohingegen die erste Halbzeit die hartgesottenen Crunk-Fans bedient. "Chemically Imbalanced" macht seinem Namen alle Ehre, und die Unausgewogenheit ist zugleich die Stärke der Scheibe.
Obwohl Crunk dank Ciara und Lil Jon mittlerweile fester Bestandteil der Charts ist, dürfte der harte, kaum melodiöse Ying-Ying-Sound einigen Hörern zu brachial sein. In dieser Hinsicht leistet "Chemically Imbalanced" Vermittlungsarbeit: Durch Wyclefs Produktionsstil fangen staubtrockene Drumloops an, zu swingen, ohrenbetäubende Synthies machen Platz für Samples und Gitarrenriffs. Die Maxi "Dangerous" gehört sogar zu den schwächeren Tracks des Longplayers. Brecher wie "Open", "Friday" oder "Leave" verlangen nach Tanzflächen und dicken Boxen. Und wenn der Club kocht, bringen die Twins "Water" - mehr riss selbst Lil Jons "Yeah" nicht mit.
Leider leistet sich "Chemically Imbalanced" einen Kardinalfehler: Die massentaugliche Wyclef-Hälfte ist die zweite. Dass knochenharte Crunk-Tracks wie "1st Booty on Duty", "Jigglin" oder "Collard Greens" eher Skepsis als Begeisterung hervorrufen, ist wahrscheinlich. In umgekehrter Reihenfolge würde das Album Genre-Novizen womöglich langsam heranführen, so dürfte es einige Hörer verschrecken.
Crunk-Kennern hingegen mag Mr. Colliparks Seite der Platte zusagen. Dreckige Minimal-Synthies und 808-Rhythmen formen das typische Klangbett für die Atlanta-Rapper D-Roc und Kaine. Textlich dürfen keine Höhenflüge erwartet werden: Ärsche stehen klar im Zentrum der Aufmerksamkeit. Unmissverständliche Mitgröl-Hooks stellen sicher, dass die Tracks schnell ins Ohr gehen und nur schwer wieder raus. Einige langsamere Nummern sorgen zudem für Abwechslung. Die Ying Yang Twins servieren mit "Chemically Imbalanced" eine kerngesunde Mischung aus Pop und Hardcore-Rap.
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