Incubus


Incubus
Light Grenades
Immortal - Epic - Sony BMG International/Sony BMG

Incubus - Light Grenades

27.11.2006

Erscheinungsdatum: 24.11.2006
Label: Immortal - Epic - Sony BMG International/Sony BMG

von Kati Hofacker

"Noch nie waren wir so nah dran, die Band zu sein, die wir immer sein wollten", schwärmt Incubus-Frontmann Brandon Boyd vom neuen Album "Light Grenades". Ein bisschen Muffensausen hatten sie schon, denn ihr eigener Sound hat sich leicht verändert, ebenso die Mode, und wer über zweieinhalb Jahre lang kein Album veröffentlicht, kann auch ganz schnell wieder out sein. Gitarrist Mike Einziger erinnert sich an die Zeit des letzten Albums "A Crow Left Of The Murder": "Ich hatte das Gefühl, dass wir immer nur am Rande von irgendetwas kreisten, was gerade in war."

Vielleicht macht das ihren Erfolg aus, dass sie gerade nicht im Zentrum des Hype agierten. Denn trotz der stetigen Annäherung an den Massengeschmack galten Incubus doch als irgendwie speziell. Kaum ein Text wurde so oft interpretiert (und laut Boyd so oft missverstanden) wie beispielsweise "Megalomaniac". Deshalb warnt Boyd gleich vor: "Der Song 'Anna Molly' rockt und ruft die Vorstellung an ein Mädchen hervor, das ich vor meinem geistigen Auge sehen kann, das aber höchstwahrscheinlich nicht existiert."

Incubus ließen sich diesmal ein Jahr Zeit - länger als für alle anderen Alben zusammen. Sie improvisierten ja immer schon gerne, aber Tracks wie "Quicksand" oder "Earth To Bella Part II" haben schon was von Triphop. Doch in einigen Songs wird so laut gebrettert oder so lyrisch geschmolzen, dass man das schnell wieder vergisst. Trotz der Schwere der Beats oder Riffs ("A Kiss To Send Us Off") ist es faszinierend, wie elegisch die Melodien ihre Bögen spannen, ohne jemals vom süßen Topf der Gefälligkeit oder des Klischees zu naschen. Regelrecht sanft und melodisch wirken "Dig", "Oil And Water" oder "Love Hurts", die mit gezupften Gitarren und Stimm-Overdubs am Pop entlang schrabbeln, ohne allzu stark davon infiziert zu werden.

Starke Songs! Faszinierend ist auch, wie weit Boyd sein Herz in den Texten öffnet - aber wir sparen uns die Fehlinterpretationen! "Anna Molly" und "Diamonds And Coal" entlehnen Elemente aus dem 80-er-Pop, wie den dezenten Sound von Police und die coolen Basslines.

Erstmals ist man völlig sprachlos, wenn es darum geht "Grenades" mit irgendeiner anderen Band zu vergleichen. Zu vielseitig und ungewöhnlich klingt es. Man muss sich nach dem ersten Hören hinsetzen und alles verarbeiten. Welche Rockband kann so etwas schon für sich beanspruchen? Bis wieder einmal jemand wie Incubus klingt, dürften die Jungs aus Kalifornien zu ihren elf Millionen Tonträgern noch ein paar weitere Milliönchen addiert haben.

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