Yusuf


Yusuf
An Other Cup
UID - Universal/Universal

Yusuf - An Other Cup

13.11.2006

Erscheinungsdatum: 10.11.2006
Label: UID - Universal/Universal

von Jochen Overbeck

"Als ich die Gitarre zum ersten Mal wieder in den Händen hielt, fühlte es sich an, als ob in mir überdimensionale Schleusentore aufgehen." Das sagt Yusuf Islam, der großen Teilen der Öffentlichkeit wohl immer noch als Cat Stevens ein Begriff ist, über sein Comeback. Es ist ein etwas pathetischer Vergleich, sicher. Aber Unrecht hat Yusuf nicht. "An Other Cup" ist ein Album, das gleich mehrere Statements setzt. Einmal zeigt es, dass der 57-Jährige nach wie vor ein Händchen für die allumfassende Melodie hat. Weiterhin unterstreicht es seine Fähigkeiten als Interpret. Und schließlich ist es ein gutes Beispiel für die Verbindung von Pop und Weltmusik, von reiner Unterhaltung und durchaus Ernsthaftem.

1978 erschien mit "Back To Earth" das letzte Cat-Stevens-Album. Danach wurde es still um den Briten. "Father and Son" erreichte in einer gemeinsam mit Ronan Keating eingesungenen Version die Hitparaden, immer wieder engagierte sich Islam in Hilfsprojekten in aller Welt. Für Schlagzeilen sorgte er auch, als die USA ihm 2004 die Einreise verweigerten - angeblich stand er auf einer Liste von Terrorverdächtigen. Er selbst dementierte heftig - und erklärte den Zwischenfall mit einer schlichten Namensverwechslung.

Musikalisch ist indes alles eindeutig. "Heaven / Where True Love Goes" mit seiner wunderbaren Zeile "Heaven must have programmed you" zeigt ebenso gut wie "Maybe There's A World", worum es Yusuf geht: Die Kernkompetenzen von damals wurden behutsam der Moderne angepasst. Die Harmonien sind umfangreicher inszeniert und aufwändiger arrangiert als früher, Streicher und Klavier nehmen auch mal Schlüsselpositionen ein. Der große Knaller ist indes "Don't Let Me Be Misunderstood": Der Song, der in der Vergangenheit von Künstlern wie den Animals oder Joe Cocker gesungen wurde, verliert bei Yusuf die Blues-Kante und wird stattdessen zu einer dramatischen, fast nur mit Streichern instrumentierten Ballade.

Natürlich irritiert manches auf "An Other Cup": Das kurze when "Butterflies Leave" oder "Whispers From A Spiritual Garden" verlassen die gewohnten Wege der Populärmusik, klingen eher nach Asien oder dem nahen Osten, sind aber zu diffus, um sich wirklich verorten zu lassen. "The Beloved" geht ähnliche Wege, ist aber auch ein Popsong, was wohl auch an Produzent Rick Nowells liegt: Der arbeitete in der Vergangenheit mit Madonna und The Corrs zusammen und bewahrt Yusuf Islam ab und an davor, zu weit in Richtung esoterisches Sendungsbewusstsein abzugleiten und die Sinnsuche vor die Musik zu stellen. Sein soziales und politisches Engagement möchte der indes nicht aufgeben: Erhebliche Teile des Erlöses seiner Platten fließen in Wohltätigkeitsprojekte, zuletzt wurde ihm der "Man of Peace"-Preis verliehen - von Friedensnobelpreisträger Michael Gorbatschow. Und dass sich diese, so bewusste Gegenwart mit seiner eigenen Vergangenheit gut verträgt, zeigt der letzte Song auf "An Other Cup": Das beschwingte "Green Fields, Golden Sands" schrieb ein gewisser Cat Stevens, vor bald 40 Jahren.

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