X-Perience


X-Perience
Lost In Paradise
Major - PIAS/rough trade

X-Perience - Lost In Paradise

13.11.2006

Erscheinungsdatum: 10.11.2006
Label: Major - PIAS/rough trade

von Kati Hofacker

X-Perience sind wieder da, und mit ihnen das Album "Lost In Paradise". X-Perience? Bei manchen klingelt es da nur noch sehr dunkel, quasi im Infraschallbereich. X-Perience, das waren das Ostberliner Geschwisterpaar Claudia und Matthias Uhle und Alex, in Fachkreisen gerne "Herr" genannter, Kaiser.

X-Perience bastelten aus billigen Midi-Sounds und der einen oder anderen Gitarre Durchschnittsware wie die Hits "A Neverending Dream" oder "Circles Of Love", das dazugehörige Album "Magic Fields" kletterte damals, 1995, in die obersten Ränge der Charts und verkaufte sich sagenhafte 150.000 mal! Auch das Nachfolgealbum "Take Me Home" sorgte für glückliche Gesichter in der Plattenfirma, und der Song "Island Of Dreams" schaffte es 2000 gar zum RTL-Titeltrack für die Serie "Expedition Robinson". Wie kann das gehen? Wir wissen es nicht. Vielleicht bilden die drei netten Normalos aus Ostberlin genug Raum für Träume, Solidarität und Identifikation? Selbst das Soloprojekt von Claudia Uhle, "Angelzoom", und die Enya-artige Single "Fairyland" arbeiteten sich in die Charts. Dabei klang der Sound von X-Perience, die nun auf zehn Jahre Bandgeschichte zurückblicken, bereits in den 90-ern altbacken. "Synthi-Pop" hieß das Ethno-Trance-Schlager-Gebräu damals, und die X-Perience-Käufer griffen verdächtig oft auch zu Roxette-Alben, wie Amazon.de verrät.

Aber auch in der Zwischenzeit hat sich nicht besonders viel getan bei X-Perience. So wirken die Klänge und Foxtrott tauglichen Rhythmen, die mollgeschwängerten Replika ihrer bereits damals schablonenhaften Melodien und die rechtschaffene, aber sehr dünne Kopfstimme von Sängerin Claudia Uhle nach wie vor wie Schlager aus dem instrumentenfreien Elektronik-Studio. Es fehlte nur die deutsche Übersetzung der abgeklatschten Paradies-Traum-Engel-Texte für X-Perience, um Seite an Seite mit Florian Silbereisen einen ganz neuen Markt zu erschließen und die Esoteriker unter den Schlagerfans für sich zu gewinnen. Immerhin wurden Midge Ure (Ultravox) und Glenn Gregory (Heaven 17) gewonnen, um am Song "Personal Heaven" mitzuwirken, aus dem sie eine 80er-inspirierte Stadion-Hymne schufen. Aber ob das das Album merklich aufwertet? Doch wie das schon immer so war bei X-Perience, werden auch diesmal wieder Fans aus allen Ecken der Republik zusammenkommen, um "Lost In Paradise" aus den Plattenläden nach Hause zu tragen, bis es wieder in die Charts startet. Was soll man machen, schließen wir einfach mit der resignierten Bemerkung: Die Fans von X-Perience werden wieder voll und ganz auf ihre Kosten kommen.

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