Isobel Campbell


Isobel Campbell
Milkwhite Sheets
V2/rough trade

Isobel Campbell - Milkwhite Sheets

23.10.2006

Erscheinungsdatum: 20.10.2006
Label: V2/rough trade

von Jochen Overbeck

Zuletzt machte Isobel Campbell auf "Ballad Of The Broken Seas" gemeinsam mit Mark Lanegan einen Ausflug nach Amerika - zumindest stilistisch gesehen. "Milkwhite Sheets" klingt, das kann man schon sagen, europäischer. Aber wer erwartete, dass sich die Schottin wieder dem Pop zuwendet, irrt. Ihr drittes Soloalbum ist eine Folk-Platte, die dem Begriff kein Neo- voranstellt, sondern ihn wörtlich nimmt und sich besonders mit den dunklen Seiten des Genres auseinander setzt. Bedeutet: Die klare, unverrückte Feenstimme der Chaunteuse, die vor ziemlich genau zehn Jahren auf "Tigermilk" (Belle & Sebastian) ihr Debüt gab, steht im Kontrast zum etwas morbide wirkenden Songmaterial.

Es ist vor allem Fremdmaterial, dass Isobel Campbell hier präsentiert, musikalisch sparsam begleitet von einer Gitarre, einem Bass, einem Cello, ein paar Flöten und eindringlichem Schlagzeug. Die meisten Songs entstanden zeitgleich mit "Ballad Of The Broken Seas" - immer wenn etwas Leerlauf war, beschäftigte sich die Künstlerin mit alter Folkmusik aus vergangenen Jahrhunderten - ohne auch nur ansatzweise zu kopieren. Dabei entstanden Lieder, auf die das englische Wort Lullaby gut passt, denen Campbell aber selbst so etwas wie Dämonität unterstellt: "Immerhin galt ich bei Belle & Sebastian immer als die dunkle Seele", sagte sie der britischen Tageszeitung "The Independent". Und am dunkelsten ist die Seele dann, wenn die Stimme am hellsten ist: In "Loving Hannah" kommt Isobel Campbell ohne jede instrumentale Unterstützung aus - drei Minuten Musik, die wunderschön und entrückt wirken, aber gleichzeitig auch den gefährlichen Reiz eines Sirenengesangs in sich tragen.

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