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Erscheinungsdatum: 29.09.2006
Label: 5rue Christine/Cargo
von Constantin Aravanlis
Verzagte Klavierakkorde klimpern missmutig in den Raum hinein, irgendwann schlägt jemand auf eine Snare-Drum, und der Sänger versucht, seinen Kloß aus dem Hals zu bekommen. Er klingt, als würde er jeden Moment kollabieren, zuvor wurde er wohl von einem Heulkrampf geschüttelt. Freunde des experimentellen Freistils dürfen sich freuen: Jamie Stewart aus Oakland, bekannt als Xiu Xiu, serviert mit "The Air Force" zum fünften Male sein ganz eigenständig kredenztes persönliches Soundmenü.
Nach dem eher am Folk orientieren Vorgänger "La Foret" geht es wieder zurück zu den elektronischen Spielereien des 2004er-Werks "Fabulous Muscles". Und wie gewohnt ist Xiu Xius Musik unheimlich schwer konsumierbar; es regieren verstörende Augenblicke instabiler Blitz-Sinfonien, die als akustische Streubomben direkt neben aufkeimendem Zuckerguss-Pop gezündet werden.
Post-Rock und Elektronica stoßen sich ab, ziehen sich an und schlendern, bedrängt von Stimmungsschwankungen, auf einem Flohmarkt umher, der verlassene Popmusikfragmente, die einst für einsame Stunden komponiert wurden, feilbietet.
Höllische Folklore, deren Holzblasinstrumente auf digital angereicherte Paranoia gebettet sind ("Boy Soprano") trifft in "Hello From Eau Claire" auf pluckernde Klick-Elektrik, auf der Caralee McElroy als Hauptstimme debütieren darf. Wenige Sonnenstrahlen kämpfen sich einige Millimeter breit zwischen den dunklen Wolken hervor, bevor Stewart höchstpersönlich das freudige Spiel der Lichter mit seinem wirren "Vulture Piano" einfach so auslöscht. Selbst das anfangs versöhnlich stimmende "Bishop, CA" erstarrt letztendlich in bizarrer Kakophonie - pastellfarbener Herzschmerz verwandelt sich in eine Mauer schwarzer Legosteine, die sich zu einer Wand auftürmen um die immer wieder aufkommende Wärme in diesem kleinen Songkosmos von der Hoffnung zu trennen.
Nur der enigmatische 80er-Jahre-Wave "Save Me Save Me" scheint ein Kurzweil an Normalität zu garantieren.
Um "The Air Force" zu ergründen braucht man viel Zeit. Man sollte offen sein für nacktes und unverfälschtes Fühlen. Nur dann werden Jamie Stewarts Botschaften über Liebe, Tod und Freundschaft an die Oberfläche kommen und dieser erratischen Musik jene Anerkennung zukommen lassen, die sie sich wahrlich uneingeschränkt verdient hat.
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