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Erscheinungsdatum: 29.09.2006
Label: Gallery Records/Nuclear Blast
von Alexander Diehl
Dass in Illuminate "Zwei Seelen" schlummern, ist spätestens seit den "10*10"-Werken kein Geheimnis mehr. Hier der tiefromantische, vor dem Weltenschmerz in die Wärme der Schlagerharmonien geflohene Düsterrock. Dort der lärmende, von der Elektronik in die Kälte getriebene Metal mit Gruselfaktor.
Dabei strapaziert die Spieluhr zu Beginn. Originell wie ein Skelett im Spukschloss, das gleichnamige Lied aus den "Erinnerungen", nein, das hätte nicht sein müssen. Ist das überstanden, geht es per Achterbahn in die Dunkelheit hinab. "Geist aus der Vergangenheit" trägt ein Ballkleid, Metal ist das schon, typisch Illuminate trotzdem. "Wer lieben will..." begeistert dagegen ohne große Gesten, dafür mit zu viel Lächeln auf dem Gesicht. Den Vergleich mit Rosenstolz und Silbermond zieht das Presseinfo-Material. Auch wenn hier wohl der Wunsch Vater des Gedankens war - der unfertig wirkende Popsong jedenfalls ist die dicke Überraschung.
"Tote Gärten" zieht als extremster Gegensatz ausgerechnet die nächste Liednummer. Die Finsternis ist vollkommen, Das Ich nicht allzu fern, die Tasten des staubigen Klaviers - und später der standesgemäßen Orgel - weinen unter einem von Spinnweben bedeckten Armleuchter. "Bevor Du gehst" wiederum ist eine geradezu niedliche Ballade mit kindlich-naivem Frauengesang und entsprechend süßlichem Text: "Wie kann ich schreien ohne Stimme, kann ich sehen ohne Licht, kann ich fliegen ohne Himmel? Wie kann ich lieben ohne dich?" Dass Johannes Berthold eher deklamiert denn singt, die Silben in solchen Liedern haarscharf trennt und mit einer Ruhe, die der Monotonie nahe kommt, vor sich her trägt, das hat ebenfalls "Zwei Seelen". Dies unverkennbare Merkmal Illuminates ist erhalten geblieben.
Nach dem zähen "AugenBlicke"-Album wähnte man die deutschen Gothic-Experten bereits wieder in diesem von Moos bedeckten Schneckenhaus, in welchem tränenreiche Töne für das stille Kämmerlein produziert werden. Von wegen: "Kein Hauch von Leben" ist der kleine Bruder des Klassikers "Der Torweg", es darf der Kopf geschüttelt werden, auf dass die schwarzen Schuppen fliegen. Danach: durchatmen. Mit dem abschließenden Titeltrack "Zwei Seelen" verziehen sich die dunklen Gedanken. Wir begrüßen den neuen Tag. Und schmeißen diese Spieluhr, welche das reifste Illuminate-Werk denn auch wieder beendet, endgültig den Fledermäusen zum Fraß vor.
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