Qntal


Qntal
V - Silver Swan
Drakkar - SMARIS - Sony BMG International/Sony BMG

Qntal - V - Silver Swan

28.08.2006

Erscheinungsdatum: 25.08.2006
Label: Drakkar - SMARIS - Sony BMG International/Sony BMG

von Frank Rauscher

Bei Qntal geht es um das Fühlen. Nicht um das Verstehen. Und schon gar nicht um irgendwelche Vergleiche, denn dieses Projekt ist einzigartig und steht selbst in der Wave-, Gothic- und Mittelalter-Szene, wo das Trio noch am ehesten zu verorten ist, recht einsam da. Wie soll man solche Musik also in Worten beschreiben, ohne ausschließlich mit viel- und gleichzeitig nichtssagenden Schlagworten wie "grazil", "sphärish", "erhaben", "melancholisch" oder auch "mystisch" auszukommen? Das gerne genommene "mittelalterliche Klänge treffen auf elektronische Beats"-Klischee reicht sowieso hinten und vorne nicht aus. Also wie? Mit nicht minder kryptischen Assoziationen vielleicht ...

Denn diese eigenwillige wie herrliche Musik vermag mitunter ganz merkwürdige Momente und Träume zu zaubern: Viele denken bei den Klängen, wenn sie sich denn davon berühren lassen, bestimmt ans Liebe machen in seiner stilvolleren Form, an vom Kerzenschein und Rotwein gezauberte Romantik. Andere mögen sich ein beeindruckendes Naturerlebnis vorstellen, eine Szenerie im karstigen Hochgebirge vielleicht, oder sie richten einen verträumten Blick vom Ufer des Meeres, weit hinaus ins nirgendwo. Qntal selbst nehmen beim fünften Album einen Schwan als Sinnbild ihres Sounduniversums her: "Silver Swan". Auch nicht schlecht: Der Schwan stand bei den Kelten für Reinheit, Schönheit und Verwandlung.

Gegründet wurde Qntal Anfang der 90-er von zwei Größen der "schwarzen Szene": Michael Popp und Ernst Horn, jener Klangtüftler, der hauptamtlich an der Seite von Alexander Veljanov bei Deine Lakaien aktiv ist. Das 1995 erschienene zweite Album ließ erstmals auch außerhalb der Szene aufhorchen. So hatte man elektronische Klänge im Verein mit klassischer Musik noch nicht gehört. Musik zum Träumen, getragen von einer himmlischen Frauenstimme, die mittelalterliche Lyrik singt - das ungewöhnliche Konzept brachte Qntal sogar in die Charts. Horn hat sich zwar von Popp und Sängerin Syrah (Sigrid Hausen, eine der führenden Interpretinnen mittelalterlicher Musik), die beide die Mittelalterformation Estampie betreiben, getrennt, wurde aber schon vor "III" durch Philipp Groth hervorragend ersetzt. Dieses Trio knüpft mit "Silver Swan" nun nahtlos an das bisherige Schaffen an, vielleicht ist es sogar ihr homogenstes, durchdringstes Werk. Qntal stehen für ruhige, mystisch-angehauchte atmosphärische Klangwelten, spannende Entspannungsmusik, so könnte man sagen, mit bisweilen meditativer Kraft, die aus zum Teil sehr alten Vorlagen gesaugt wird. Das titelgebende Madrigal "Silver Swan" des britischen Komponisten Orlando Gibbons (1583-1625) strotzt vor geradezu prophetischer Weisheit: "More geese than swans now live, more fools than wise". Wie wahr. Wer jetzt immer noch nicht mehr weiß als vorher, aber neugierig genug ist, um sich tatsächlich einmal in dieses Vollbad aus Harmonie und Schönheit zu wagen, sollte es am besten mit "Von den Elben" oder eben jenem "Silver Swan" versuchen. Lieder, die so sanft durch Raum und Seele fließen, dass alles drumherum für einen Moment im dunklen Nichts verschwindet.

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