Islands


Islands
Return To The Sea
Rough Trade / Sanctuary/rough trade

Islands - Return To The Sea

29.05.2006

Erscheinungsdatum: 05.05.2006
Label: Rough Trade / Sanctuary/rough trade

von Stefan Weber

Schon Simon & Garfunkel, vielleicht das berühmteste Duo der Popgeschichte, wussten: "And a rock feels no pain. And an island never cries." Und wenn schon eine einzelne Insel niemals weint, warum sollten mehrere Inseln dies tun? Islands stammen aus Montreal sind im Kern ebenfalls ein Duo und ihnen kommt auf ihrem Debütalbum zwar die ein oder andere melancholische Zeile über die Lippen, weinerliche Klagen sucht man aber auf "Return To The Sea" vergebens. Stattdessen findet man eines der abgedrehtesten, clever-witzigsten und ja - auch fröhlichsten Pop-Alben seit langer Zeit.

Sänger und Gitarrist Nick Diamonds und Drummer J'Aime hatten schon bei ihrer Ex-Band The Unicorns ein großes Herz für verrückten Bubble-Folk-Pop, zusammen mit zahlreichen kanadischen Freunden (unter anderem Will Butler und Regine Chassagne von The Arcade Fire und Dan Boeckner und Spencer Krug von Wolf Parade) lockern beide noch einige weitere Pop-Schrauben. Der Opener "Swans (Life After Death)" entwickelt sich vom Klavier-klimpernden Schwanengesang in neun Minuten hin zu krachend-schepperndem Rock, um schließlich in einem endlosen Gitarren-Solo zu enden. "Jogging Gorgeous Summer" verbindet kongenial Calypso und Folk, Steel Drum und Cuica (brasilianische Reibetrommel). "Where There's A Will There's A Whalebone" vermengt dunkle Synthie-Flächen mit HipHop-Einlagen zweier kanadischer MCs. "Volcanoes" ist sanft holpernder Lap-Steel-Country-Stomp, eine anrührende Streicher-Ballade und verquere Indie-Rock-Hymne in einem.

In eben jenem Song kann man die Stärke des Albums auch textlich erkennen. Bekannte Versatzstücke aus der Rock- und Popgeschichte werden in einen neuen Kontext gestellt, weiter gedacht und bis zur absoluten Spitze getrieben. "Things are going to change / A hard rain falls, made of magma melts Alaska / and in icy Argentine they say / Now I've seen it all" heißt es in "Volcanoes", Bob Dylan hätte wohl kaum daran gedacht, dass der "anbrechende Zeitenwechsel" (siehe "The Times They-Are-A-Changing") so bitter, sein "harter Regen" (siehe "A Hard Rain's Gonna Fall") derartige Auswirkungen haben könnten.

Noch einmal zurück zu Simon & Garfunkel: Die beiden starteten ihre Karriere unter dem komischen Pseudonym Tom & Jerry. Und schafften die Entwicklung vom unbeachteten Folk-Duo zu Pop-Superstars. Soweit werden es die etwas überdrehteren Islands sicher nicht schaffen, der Erfolg von Paul Simons weltmusikalischem Sammelsurium "Graceland" wäre ihnen aber mit ihrem ebenfalls vielseitigen und -gesichtigem Debütalbum allemal zu gönnen. Denn allzu weit ist man - musikalisch gesehen - davon gar nicht entfernt.

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