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Erscheinungsdatum: 07.04.2006
Label: Red Ink/rough trade
von Jochen Overbeck
Neulich erklärte mir eine Freundin, dass die Zutons die einzige Band seien, der sie den Einsatz eines Saxofons großmütig verzeihen würde. Und in der Tat, beim folgenden, genaueren Hinhören, fiel es auf: Die Zutons verwenden das Instrument anders. Irgendwie trauriger, kratziger. Hier klingt nicht diese ekelhafte Kenny-G-Schmiere durch, sondern eine versoffene, durch den Schlamm gezogene und geil abgerockte Variante davon. "Tired Of Hanging Around" ist das zweite Album der Briten, und es setzt den Weg von "Who Killed The Zutons" konsequent fest: Diese Band lässt sich nicht in die Britpop-Schublade stecken, hat aber auch keinen Bock, nur retro zu sein. Ihr Lösungsansatz: Sie spielen um ihr Leben, aber ohne Verbissenheit.
"Valerie" ist wohl der schönste Song, den die Zutons bisher aufgenommen haben. Hier waten sie knietief in amerikanischen Traditionen, lassen den Soul durch die Türen einer Kirche in den Südstaaten ein, schaukeln sich an einem schwülen Sonntagnachmittag über die Verandas einer Kleinstadt und erlauben nebenher auch noch dezente "Uuh-uuh"-Chöre. Irgendwie ist das ein bisschen ihr "Jumpin Jack Flash", nur gemischt mit Tränen, mit Alkohol, mit Schweiß, vielleicht auch mit ein paar Moskitostichen. Aber keine Sorge, auch in ihrem Trauer schaffen es die Zutons immer noch, zu lächeln.
Da gibt David McCabe in "Secrets" auch mal Hinweise zur erfolgreichen Bewältigung diverser Lebenskrisen, da ist "Why Don t You Give Me Your Love" ein stampfender Blues mit ordentlich Selbstmitleid, da findet sich mit "You ve Got A Friend In Me" eine hübsche Anbetungshymne, in der McCabe nette Verstärkung bekommt. Und in "Hello Conscience" wird kurz vor Schluss auch noch das gute Gewissen angerufen.
Übrigens: Was das letzte Mal Ian Broudie richtete, tat diesmal Stephen Street. Er produzierte die Zutons etwas erdiger, etwas weniger poppig, etwas weniger klar. Vielleicht ein Tribut an den doch etwas veränderten musikalischen Zeitgeist, das mag schon sein. Aber "Tired Of Hanging Around" steht dieser Schleudergang ausnehmend gut.
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