Ursula 1000


Ursula 1000
Here Comes Tomorrow
ESL/Groove Attack

Ursula 1000 - Here Comes Tomorrow

20.03.2006

Erscheinungsdatum: 24.03.2006
Label: ESL/Groove Attack

von Kati Hofacker

Aus der Abteilung: "Keiner merkt, dass ich nicht aus den 70-ern stamme" möchten wir an dieser Stelle den hippen US-DJ und Multiinstrumentalisten Alex Gimeno vorstellen. Der Sohn eines Musikervaters, der in den 50-ern das schrille Latin-Orchester "Los Chavales De Espana" leitete, gab sich als "Projekt" den bei uns äußerst unpopulären Namen "Ursula 1000". Jener Gimeno also recycelt die 50-er, 60-er, 70-er und frühen 80-er, und das tut er so perfekt, dass wir davon ausgehen müssen, dass er sie nicht live erlebt hat. Sonst wüsste er vielleicht, dass es auch Menschen über 25 gibt, die sich noch daran erinnern können, wie das damals war und die ihn sofort des Plagiats bezichtigen könnten. Er selbst nennt seinen Stil jedoch "eklektisch, loungy, funky breaks und pastiche-a-delica".

So kann man es auch sagen. Und was der Junge alles aus der Gruft zerrt und mit Geist füllt ist bunt und vielseitig! Da wären zum Beispiel T.Rex und The Sweet, die auf "Hello! Let's Go To A Disco" mit Sänger Dougee Dimensional zitiert werden. Mambos à la Burt Bacharach werden ebenso wieder belebt wie Bogaloo, frühe Santana, Glam Rock, Seventies-Bossa, Disco, Electric Boogie, 80-er-Ska aus Britannien und früher Prince. Ursula 1000 klingt wie die neuen Parfum-Werbespots, auf denen sich junge, leicht bekleidete Menschen erotisch räkeln und englische Sachen salbadern. Spots, die auf jung, technoid und hip machen.

Folgerichtig schlagen sich die Fashion-Week-Victims um den Jungen aus New York, der sich gerne mit Kitsch umgibt und Chihuahuas unter dem Arm spazieren trägt. Er beschallt die Shows von Prada, Hugo Boss, Diesel, Dior, Fiorucci und vieler anderer.

Ursula 1000 recycelt zwar, produziert dabei aber wirklich witzige und brauchbare Tanzmucke, er mixt und quirlt lustig bonbonbunt durcheinander - für uns Europäer freilich nicht neu - beherrscht House, Easy Listening, Porno-Film-Musik und Boogaloo à la Torpedo Boyz, er ist ein Wahnsinniger, spielt zehn Instrumente, womöglich gleichzeitig, und seine überkandidelten, ultraschnellen Ideen sind hochinteressant. Und: Ursula 1000s Auftritt ist tausendmal glamouröser als der aller europäischen Mixgötter zusammen. Anspieltipp: "Here Comes Tomorrow", das die herrlichen Spaghetti-Western-Zeiten wieder aufleben lässt und diese mit Bowie-Spirit mischt. An der Gitarre: Frederico Aubele von Los Amigos Invisibles, am Mikro Bowieo-Soundalike Robert Conroy (Misty Roses). Alles nur geklaut. Aber lustig!

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