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Erscheinungsdatum: 06.11.2009
Label: RCA
von Jochen Overbeck
So gerne Plattenfirmen ihren Bands auch einen Heldenstatus in deren Heimat andichten mögen, im Falle von Kent stimmt's: Wer die Popper einmal in ihrem Heimatland gesehen hat, weiß um deren Bedeutung für die heimische Musikszene. In Schweden strömen Zehntausende zu den Konzerten der Bands und singen die - seit jeher durchaus hymnischen Songs - frenetisch mit. Versuche, dieser Beliebtheit einen größeren Resonanzkörper zu geben, scheiterten: Zwar spielten Kent Ende der 90er-Jahre zwei Platten für den kontinentaleuropäischen Markt auch auf Englisch ein - so richtig interessierte sich dafür aber niemand. Auch wenn zumindest das 1998 erschienene "Isola" ein großartiges Album ist. "Röd" kommt wie gewohnt auf Schwedisch und mag nicht die große Überraschung sein, ist aber allemal solide.
Das Spannungsfeld, in dem sich Kent bewegten, war immer eines der großen Namen. Muse wurden als Vergleichsparameter genannt, Radiohead natürlich, Placebo ebenfalls. Auf die zwei, drei Singles, die ihren Weg auf die Tanzflächen der deutschen Diskotheken fanden, mag das zutreffen - gleichwohl dürfte derlei Namedropping für die Band eher ein Fluch denn ein Segen gewesen sein, denn in Großbritannien, Heimatstadt genannter Pop-Schwergewichte, waren die Kritiken ebenso durchwachsen wie die Verkaufszahlen.
Das Argument der fehlenden Originalität kann man indes schon verstehen. Zumindest, was die Musik angeht, bleiben Kent trotz kraftmeierischer Produktion in den Berliner Hansa Studios oft eine Spur zu blass. Sie verlassen sich auf Bewährtes. "Röd" kommt mit mehr Synthies daher als zuletzt, bleibt aber sonst in dieser immer genau zwischen Mainstream und Untergrund oszillierenden Düsternis, die seit gut 15 Jahren mal mehr, mal weniger erfolgreich Indiehausen durchweht.
Eingängigkeit scheint zu bestehen, ist aber natürlich eine Sache, an der sich schwer teilnehmen lässt - weil man ja die Texte nicht versteht und dementsprechend kaum abspeichern kann. Gleichzeitig ist das natürlich eines der größten Alleinstellungsmerkmale von Kent: Wenn Frontmann Joke Berg sich da in Songs wie "Svarta Linjer" sehnsuchtsvoll Richtung Kopfstimme aufmacht, hat man zwar keinen blassen Schimmer, um was es gerade geht. Aber so eindringlich, wie das alles klingt, wird's schon Hand und Fuß haben.
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