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Erscheinungsdatum: 06.06.2008
Label: Geffen - UID
von Jochen Overbeck
Als Weezer 1994 ihr "Blue Album" veröffentlichten, war Kurt Cobain etwa einen Monat lang tot. Der sonnige Pop aus Kalifornien war so etwas wie sein finaler Sargnagel. Die Botschaft der Band um Rivers Cuomo war klar: Sonne rein! Optimistische Dur-Gitarren! Ironie! Dazu eine Nerd-Optik, die die auch im Alternative Rock immer noch gültigen, sehr männlichen Codes und Vorstellungen davon, wie eine Band gefällig auszusehen hat, unterwanderte. Wie viel von dem nun letztendlich ernst gemeint war, ist schwer zu sagen. Klar ist aber, dass Weezer wichtig waren. Pop war wieder erlaubt. Lachen auch. Man durfte sich wieder an den Cheap Trick orientieren oder an den Cars, deren ehemaliger Vorsteher Rick Ocasek das blaue Album konsequenterweise produzierte.
14 Jahre und fünf Alben später sind Weezer eines geblieben: unangepasst und unberechenbar. Interviews geben sie ungern, die Abstände zwischen den Alben sind unregelmäßig. Deren Qualität ist es ebenfalls. Die ohne Titel, das ist die Faustregel, sind die besten.
Auf der roten Platte trägt Rivers Cuomo nicht nur einen vermutlich post-ironischen Schnauzbart und einen wirklich nicht besonders schönen Cowboyhut, sondern auch einiges Biografisches zu Markte: "Heart Songs" ist ganz offenbar so etwas wie eine musikalische Rückschau auf das Leben an sich. Da schildert der Harvardianer: "Iron Maiden, Judas Priest and Slayer taught me how to shred", was nun nichts Neues ist, aber auch wie er das erste Mal Nirvana hörte und dass er Bruce Springsteen mag. Hach. Auch die bereits bekannte Single "Pork And Beans" arbeitet sehr referenziell und tickert im Video eben mal alles an, was in den letzten Jahren so auf Youtube erfolgreich war - mit den jeweiligen (Selbst-)Darstellern, wohlgemerkt. Musikalisch bleibt da alles beim Alten. Und das ist dann auch das Einzige, was man Weezer vorwerfen kann.
Würde man ihnen Böses wollen, könnte man schon sagen, dass sie nicht nur die von der Kritik gerne und oft verlangte Weiterentwicklung vermissen lassen, sondern dass sie auf die schlichte Wiederholung setzen. Blaupause eins für Weezer-Songs war das erste Album (einfach! ballernd! froh!), Blaupause zwei, das angeblich unterschätzte, in Wahrheit aber langweilige "Pinkerton" (spröde! unsicher! schroff!). Das rote Album mischt erneut beides, setzt auf eine Handvoll sehr sehr guter und eine Handvoll ordentlicher Songs und erlaubt sich am Ende, "The Weight" von The Band zu covern. Alleine deshalb kann man Weezer nicht genug loben. Höchstwertung, eh klar, trotz des Schnauzbartes.
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