Mudhoney


Mudhoney
Since We've Become Translucent
Sub Pop

Mudhoney - Since We've Become Translucent

04.09.2002

Label: Sub Pop

von Katrin Theis

Ob es mit Mudhoney auch nach fast fünfzehn Jahren gelebtem und zelebriertem Grunge-Lifestyle nicht irgendwann zu Ende gehen müsse, beantwortet Frontmann Mark in tadelloser Seattlemanier: 'Solange die Mediziner uns mit einer neuen Leber ausstatten, geht die Party weiter. Die 'Made in China'-Leber haben wir schon kaputt gekriegt, jetzt halten wir Ausschau nach der 'Goldene Ernte'-Leber aus Amerika anstatt den billigen Übersee-Dingern.'
Alkohol, Grunge und Rock'n'Roll sind die ersten Assoziationen, die sich bei Mudhoney aufdrängen, aber auch Experimentierfreudigkeit, Verweigerungshaltung - derbe Kost, nix für sonnige Nachmittage am Badesse (außer man trägt sich mit Gedanken an Amokläufe oder Suizid).
Das neue und inzwischen achte Album der Urväter des Grunges, die nicht nur Kurt Cobain überlebten, fängt so anstrengend an, dass es einiges an Überwindung kostet, sich weiter durchzuarbeiten. Bläser, Saxophone und extrem psychedelische, atonale Arrangements machen 'Baby, Can You Dig The Light' mit seiner Gesamtlänge von über 8 Minuten zu einer Hürde, die es zu überwinden gilt. Aber die Mühe lohnt sich, schließlich darf der Mudhoney-Fan nicht vergessen, dass die Jungs immer wieder die Kommerzialisierungspolitik der Szene negiert haben, vermutlich konnten sie nur so den Seattlehype überleben. Auch ihre Rückkehr zu ihrem Label der frühen Tage, Sup Pop, ist ein Zeichen, dass man sich auf alte Werte und Tradition rückbesinnt. Bloss nicht verheizen lassen so lange die Leber hält.
Die Mitarbeit von MC5-Ikone Wayne Kramer am Bass bei dem genialen 'Inside Job', bei dem sich Erinnerungen an Legenden wie die Stooges oder die Sonics aufdrängen, zeigt die Bandbreite auf dem sich 'Since We've Become Translucent' bewegt. Nach oben genanntem 'Anti'-Opener geht die Reise durch eine höchstvariable Jonglage mit Klängen, Sounds, wimmernden aber auch punkrockigen Gitarren, luftigen Arrangements wie bei 'The Straight Life', Saxophon und Bläsereinspielungen, sehr explizit und exzessiv bei 'Where The Flavour Is' ausgelebt, sowie immer wieder die Besinnung auf das Ursprüngliche: ROCK, ROCK, ROCK. Kein Album, das man beim ersten Hören lieben wird, aber eines, dass sicher nach mehrfachem Konsum süchtig machen kann. Keine leichte Kost - aber wer würde das auch von den Jungs aus Seattle erwarten. Ein intelligentes und sehr variables Album, das sich in keine Ecke oder Schublade zwingen lässt. Da bleibt zu hoffen, dass der Lebernachschub gesichert bleibt.

Highlights:
'The Straight Life'
'Inside Job'
'Take It Like A Man'
'Sonic Infusion'

Tracks:
'Baby Can You Dig The Light'
'The Straight Life'
'Where The Flavor Is'
'In The Winner Circle'
'Our Time Is Now'
'Dyin' For It'
'Inside Job'
'Take It Like A Man'
'Crooked And Wide'
'Sonic Infusion'

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