David Bowie


David Bowie
Heathen (The Rays)
Sony

David Bowie - Heathen (The Rays)

09.08.2002

Label: Sony

von Katrin Theis

Altmeister Bowie lässt nicht locker, zarte 55 Jahre jung ist er längst noch nicht fertig mit der Welt, der Musik und dem ganzen Rest. Mit 'Heathen' bringt er ein in gewohnter Manier perfekt arrangiertes Werk auf den Markt, das aufgrund seiner inhaltlichen und musikalischen Schwere und Dichte eher an einen düsteren Herbsttag erinnert.
'Heathen' ist als Abrechnung des Stimmwunders mit der Welt und der aktuellen Zeit zu verstehen. Morallosigkeit und ein Gott, der all das Leiden dieser Welt zulässt, ist Grundlage für den Zorn Bowies, der immer wieder durch die Songs geistert. Auch Melancholie, Abscheu und Trauer sind deutlich spürbar.
Musikalisch kehrt der Altmeister mehr oder minder zu seinen Wurzeln zurück. Seine Drum'n'Bass Eskapaden von den Vorgängeralben 'Earthling' und 'Hours' sind zwar noch dezent vorhanden, auch schräge Sounds im Stil des 95er Albums 'Outside' sind erkennbar aber im Großen und Ganzen ist David hier wieder ganz der alte 70er Avantgarde-Popper. Die Mitarbeit seines alten Weggefährten Tony Visconti, der zuletzt vor 21 Jahren das Bowie-Album 'Scary Monsters' produzierte, hat sicherlich einen Teil dazu beigetragen, dass der Hörer sich an wirklich alte Bowie-Scheiben zurückerinnert fühlt. Visconti, der neben den Reglern auch die Bass-Saiten auf 'Heathen' bediente, ist nicht der einzige Helfer für Bowies neuem Opus. An der Gitarre ist sowohl der im Moment recht umtriebige Dave Grohl (Nirvana, Foo Fighters, Queens of the Stone Ages) als auch Pete Townsend (The Who) zu belauschen.
Ebenfalls als Tribut an die gute alte Zeit sind die Coverversionen 'Cactus' der wunderbaren Pixies und 'I Took A Trip On A Gemini Spaceship' von Legendary Stardust Cowboy zu verstehen.
Das Chamäleon hat zu seiner alten Färbung zurückgefunden, was alte Bowie Fans sicherlich sehr freuen wird. Wer etwas grundlegend Neues erwartet, wird allerdings enttäuscht werden. Auch sollte man sich die Scheibe nicht unbedingt in einem akuten Anfall von Depressionen anhören...
'Heathen' ist ein Album, das wie ein Befreiungssschlag des alten Bowies wirkt. Sehr emotional aus seinem Inneren herrührend, schafft es Platz für Neues oder die Erkenntnis, das früher alles besser war.

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