Lenny Kravitz


Lenny Kravitz
Lenny
Virgin

Lenny Kravitz - Lenny

06.11.2001

Label: Virgin

von Ralph Buchbender

Ausgerechnet. Ich. Schon wieder eine Rezension, die man am liebsten mit 'Es war einmal...' beginnen möchte, weil 'früher alles besser war'. Doch gottseidank hat sich zwischen hemmungsloser Emotion und tippendem Finger das Hirn zwischengeschaltet und solch haltlosen Plattitüden den gebührenden Einhalt geboten. Was dazu führt, dass nun das Fazit am Anfang gezogen wird: Lenny Anno 2001 langweilt. Oft. Zu oft.
Natürlich kann man dieses Fazit nur ziehen, wenn man Lennys Vergangenheit berücksichtigt. Zu 'Mama Said' haben wir in der Rockdisco getanzt. Zu 'Sister' geschmust und zu 'Tunnel Vision' abgerockt. Als uns Lenny 1993 'Are You Gonna Go My Way' fragte, wäre uns kein 'Vielleicht' als Antwort in den Sinn gekommen. Von einem 'Nein' ganz zu schweigen. Doch die Zeiten ändern sich und mit '5' war der Bruch da. Nach dem kommerziellen Flop vom Vorgänger 'Circus' stürmte Kravitz mit der Single 'Fly Away' in die Herzen der Mainstrem-Fangemeinde hinein und aus unseren Hörbreiten gleichermaßen heraus.
Quo vadis, Lenny? lautete die Frage und als Antwort hören wir heute 'Lenny', eine Ansammlung hochnotpeinlichen Balladenpops, genau das Richtige für die Feuerzeug-in-die-Luft-halt-Fraktion, die uns schon den einstigen Genuss von R.E.M.- oder gar Nick Cave-Konzerten vermiesen. Der Gipfel der Unverschämtheit: 'Believe In Me', ein Song, der jeder Boygroup gut zu Gesicht stehen würde. In dieser Hinsicht hält der Pro Sieben Sticker auf dem Album, was er normalerweise verspricht: Geschmacksfreie Popmusik im familiengerechten Mittelklasse-Outfit. 'Rock Is Dead'.
Oh Mann, Lenny, was für eine Verschwendung eines Talents, dass nur einmal in zwanzig Jahren geboren wird. Der Mann macht und kann alles selbst. Spielt jedes Instrument, produziert das Album selbst und lässt in dieser Hinsicht auch keine Wünsche offen. Und führt mit dem Opener 'Battelfield Of Love' vor, was alles gehen könnte, wenn Kravitz sich gehen lassen würde. Der Mann kann rocken. Warum zum Teufel verderben uns dann Schmalspurpopsongs wie 'Yesterday Is Gone (My Dear Kay)', 'Stillness Of Heart' oder gar 'God Save Us All' die Stimmung, die mit 'Bank Robber Man' oder 'Pay To Play' immer wieder kurz aufflackert. Nur mit 'A Million Miles Away' kramt er dann noch einmal sein Talent als Rock-Barde hervor. Zu wenig, um das Album zu retten und zu viel, um ganz abgeschrieben zu werden. Folgen werde ich ihm nun endgültig nicht mehr, aber ich würde mich freuen, wenn wir demnächst wieder zusammen in einem Zug sitzen würden, der in derselbe Richtung fährt.

Highlights:
Battlefield Of Love
Bank Robber Man
A Million Miles Away

Verwandte Klänge:
Jimi Hendrix
Ben Harper
Prince
Roachhford
Terence Trent D'Arby
George Clinton

Tracks:
Battlefield Of Love
If I Could Fall In Love
Yesterday Is Gone (My Dear Kay)
Stillness Of Heart
Believe In Me
Pay To Play
A Million Miles Away
God Save Us All
Dig In
You Were In My Heart
Bank Robber Man
Let's Get High

Discography:
2001 Lenny
2000 Greatest Hits
1999 Five
1995 Circus
1993 Are You Gonna Go My Way
1991 Mama Said
1989 Let Love Rule

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