Live


Live
V
MCA Record/Universal Vertrieb

Live - V

09.10.2001

Label: MCA Record/Universal Vertrieb

von Ralph Buchbender

Cool. Ist das nicht. Oder doch? Schwierig. Ist es auf jeden Fall. Was geht ab im Kopf von Live-Mastermind Ed Kowalczyk, der uns mit seiner Bandhistorie Songs Marke 'I Alone', 'Selling The Drama', 'Lakini's Juice' oder 'The Dolphin's Cry' lieferte?
Sicher. Mit 'Throwing Copper' war bereits 1994 ein Höhepunkt erreicht, der nicht mehr viel Spielraum ließ. Was folgte, war mit 'Secret Samadhi' ein Album, dass sich erfolgreich einer weiteren gnadenlosen Verkommerzialisierung der Band entzog. Damals atmetete ich noch auf. Gottseidank kein weiteres R.E.M.-Windschattenfahren oder gar U2-Fahrwasser. Was dem Kritiker gefällt, lässt die Plattenfirma oftmals kotzen. Das Radio wollte keine 'Secret Samadhi'-Songs spielen und so kam, was kommen musste. Die radiokompatible Rockschnulze 'The Dolphin's Cry' eröffnete 1999 ein Album, dass Ed Kowalczyks Zwiespältigkeit gnadenlos offenlegte. Der Künstler, der zu Brote geht. Quo vadis, Live?
Hier jetzt die Antwort: Nowhere. 'V' lässt alle Fragen offen, beantwortet nichts und führt in keine Richtung. Reminiszenzen an den Hardrock der Siebziger Jahre in Form von sattsam bekannten Gitarrenriffs werden mit zeitgemäßen Raps, Samples und elektronischen Spielereien so gnadenlos verquirlt, dass der servierte Cocktail nicht nur aussieht, wie schon mal getrunken. Kommt die Guest-Appearance auf 'Simple Creed' von Tricky als erwarteter Dankesbeitrag noch wenig überraschend rüber, so sorgen Ed & Co. im weiteren Verlauf des Albums allerdings öfter für staunend-offenstehende Münder. Oder ist es das blanke Entsetzen? Für die Experimentierwut auf 'V' scheint es keine Grenzen zu geben. Nicht einmal die des schlechten Geschmacks, womit ich vor allem auf die Ofra Haza-Soundalikes abziele. Schlicht ein unglaubliches Fehlverhalten.
Die Sympathisanten mögen es Vielseitigkeit, kreative Flexibilität oder gar, um Kowalczyks esoterischen Veranlagungen gerecht zu werden, den hörenswert notwendigen künstlerischen Ausdruck innerer Zerrissenheit und die akustische Adaption einer seelischen Folterung nennen. Von mir aus. Mag auch stimmen. Wer es zufällig so mag. Ich jedenfalls nenne es den künstlerischen Ausdruck einer gescheiterten Standortbestimmung. Live wissen nicht wirklich, wo sie 2001 stehen und das hört man 'V' an. Mit jedem Ton und jeder Zeile. Und von mir aus 'Call Me A Fool'.

Highlights:
Transmit Your Love
Call Me A Fool

Verwandte Klänge:
REM
Led Zeppelin
U2
Pearl Jam
The Tea Party
Creed
Lifehouse

Tracks:
Intro
Simple Creed
Deep Enough
Like A Soldier
People Like You
Transmit Your Love
Forever May Not Be Long Enough
Call Me A Fool
Flow
Ride
Nobody Knows
OK
Overcome
Hero Of Love
Deep Enough (Remix)

Discography:
2001 V
1999 The Distance To Here
1997 Secret Samadhi
1994 Throwing Copper
1992 Mental Jewelry

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