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Label: Island Music/Universal
von Katrin Theis
O edler Herr, weise uns den Weg von Prenzlberg auf die Bühnen des dritten Jahrtausend. Einen polyglotten Anachronismus par exellence präsentieren uns die mittelalterlichen Streiter vom Prenzlauer Berg in ihrem neuen Machwerk 'Sünder Ohne Zügel'. In altbekannter In Extremo-Manier werden hier wieder mittelalterliche Klänge und Liedgut, das an Walther von der Vogelweide erinnert, mit brachialem Rock und brettigen Gitarrensounds kombiniert. Rattenfängermusik also - noch ausgefeilter als zuvor, mit Elektronikklängen abgerundet, in verschiedenen Sprachen dargebracht.
So wird 'Sünder Ohne Zügel' zu einem gelungenen Gesamtwerk, dass weder Langweile aufkommen lässt, noch abgeschmackt wirkt.
Alltagsfluchten aus dem Moloch der Großstadt, rauf auf einen Marktplatz im mittelalterlichen Worms, oder hin zu den fiktiven Turnierplätzen von Kamelot, werden präsentiert, voll des Lobes auf das Savoir Vivre mit Wein, Weib und Gesang. Deftig, archaisch und ursprünglich werden zeitlose Themen wie Liebe, Kampf, Tod und Leben behandelt. Zwischen Keuschheitsgürtel und Tätowierung schwanken die
Bilder, die sich dem Hörer aufdrängen. Zum Beispiel das eines jungen Recken in Kettenhemd und Harnisch, der auf seiner schnittigen Harley Davidson sein schönes Burgfräulein in Düsseldorf Oberkassel freien fährt - oder auch eben jenes von Guinevra und Lancelot, die in einem Lotus mit 240 km/h auf der Avus vor dem erzürnten Artus flüchten.
Die Ohren, balsamiert von Schalmeien, Harfen und Dudelsäcken, werden immer wieder den bombastigen Rockensembles, brachialen Gitarrennaturgewalten und elektronischen Sounds im Hintergrund gewahr.
Über allem immer der eingängige und bisweilen schon wollüstig aufdringliche Gesang des charismatisch-sympathischen Frontmannes Das letzte Einhorn, der Stimmungen und Botschaften zwischen Sonnenuntergang und Heldenepos transportiert.
Moderner Minnegesang im Postgothiczeitalter, der nicht nur Freunde des härteren Neo-Folk-Genres mit Hang zum Episch-Theatralischen und zur Mediavistik schnell in seinen Bann ziehen wird.
Aber habet acht: Es könnte passieren, dass der schwarzgewandete, eben noch in Gedanken an Turnieren teilnehmende und Methörner ansetzende Hörer, sich gar plötzlich, auf dem Weg vom Büro zurück nach Köln-Ossendorf, eine Saturntüte in der Hand haltend und an einer roten Ampel wartend, wiederfindet... - aber vielleicht findet sich in der Tüte ja ein 'Sünder ohne Zügel'.
Highlights:
Wind
Krummavisur
Omnia Sol Temperat
Vollmond
Lebensbeichte
Oskasteinar
Die Gier
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Letzte Instanz
Tanzwut
Tracks:
Wind
Krummavisur
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Vollmond
Die Gier
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Oskasteinar
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