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Label: Eastwest
von Ralph Buchbender
Anno 1999 hatte ich das Vergnügen, eine Band kennenzulernen, deren Live-Performance im Vorprogramm von Kid Rock nur eine Schlussfolgerung zuließ: Da hat jemand 'seinen' Chino gelernt. Wut, Power, Emotionen und eine aus dem tiefen Inneren kommende Melancholie zeichneten Frontmann Aaron Lewis aus. Staind waren geboren und ihr Debüt 'Dysfunction' kannten hierzulande genauso wenige Musikfans wie das Wort Nu Metal.
Der Werdegang dieser Band blieb in Deutschland nahezu unbemerkt, bis im Frühjahr dieses Jahres die ersten Rekordmeldungen auftauchten. Nicht Tool führten die US-amerikanischen Charts an, sondern eine Band namens Staind. Ich ahnte Schlimmes.
Quo vadis Staind, fragte ich mich und hoffte, nicht noch eine LimpParkRoach-Adaption zu bekommen. Schließlich ist Nu Metal-Papst Fred Durst ihr Mentor aus frühen Bandtagen und Aaron wird immer noch nicht müde zu erzählen, wie viel Staind Durst zu verdanken haben. Doch insgeheim blieb die Hoffnung, dass die Band, die mich sowohl mit ihrem Debütalbum als auch vor allem mit ihrer Liveperformance vor zwei Jahren so überzeugte, nicht vollends ihre Ideale aufgegeben haben konnte. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen. Jetzt rotiert 'Break The Cycle' im CD-Player.
Ihren 'Chino' haben sie immer noch drauf, aber Aaron hat offensichtlich weiter gedacht. Denn überall lauerten Gefahren. Mit dem, was Staind auszudrücken versuchen, laufen sie, wenn sie nicht höllisch aufpassen, gleich zwei Typen ins offene Messer. Zum Einen darf man nicht zur Deftones-Kopie werden, obwohl man dieselbe Intensität an Emotionen und die gleiche Dichte in den Soundgebilden zu bieten hat. Zum Zweiten und damit komme ich fast zum worst case scenario: Der Pathos eines Scott Stapp. Nichts gegen Creed, aber was Scott am Leben erhält, würde Aaron töten. Ein Song wie 'Epiphany' schifft oft gefährlich nahe am Kap der Allzuguten Hoffnung von Creedstadt. Auch die Single 'It's Been A While' kokettiert mit Creedheaven.
Dennoch: Aaron und seinen Bandmembers ist der Kompromiss gelungen. Vor rund zehn Jahren hätte man wahrscheinlich Alice In Chains oder Soundgarden als Bindeglied zwischen Grunge und Nu Metal bezeichnet. Heute sind dafür eindeutig Staind zuständig.
Wer die Deftones liebt, mit Tool richtig viel anfangen kann, wer die Melodienverliebtheit von Creed mag oder einfach nur auf ein Wechselbad der Emotionen steht, wird auf 'Break The Cycles' bestens bedient.
Ich jedenfalls weiß, warum ich dieses Album mag: Es bleibt sowohl in seinen wütenden als auch depressiven Phasen nachvollziehbar und es hat mit 'Can't Believe', 'It's Been A While', 'Fade', 'Pressure' und 'Outside' einfach schlichtweg großartige Songs am Start. Ganz zu schweigen von der Entdeckung einer weiteren Ausnahmestimme: Aaron Lewis. Hier kann gelitten werden, ohne gleich die Beichte vor dem 'Peinlichstes Lieblingslied'-Board ablegen zu müssen. Hier kann gefahrlos gerockt werden, ohne das das Durchschnittsalter um 80 Prozent steigt, wenn man die Halle betritt. Fragt mich nach den 'deepsten' Platten des letzten Jahres und Staind kommt in eine Reihe mit Deftones und Tool.
Highlights:
Can't Believe
It's Been A While
Fade
Pressure
Outside
Suffer
Verwandte Klänge:
Deftones
Tool
Alice In Chains
Creed
Sevendust
Tracks:
Open Your Eyes
Pressure
Fade
It's Been A While
Change
Can't Believe
Epiphany
Suffer
Warm Safe Place
For You
Outside
Waste
Take It
Outside (Live Version)
Discography:
1999 Dysfunction
2001 Break The Cycle
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