Tricky


Tricky
Blowback
ANTI/Epitaph

Tricky - Blowback

27.07.2001

Label: ANTI/Epitaph

von Ralph Buchbender

Der sympathische Querulant Tricky meldet sich mit einem neuen Image zurück. Sympathisch? Nun, wenn man zufällig auf eigenbrötlerische, egoistisch-egozentrische, manisch depressive Typen steht. Künstler eben. Tricky hat diesen Ansprüchen bis jetzt immer genügt.
Damit ist jetzt Schluss. Angeblich. Immerhin gibt sich die neue Plattenfirma enorme Mühe, ihn, den Prototyp eines querdenkenden Künstlers, als zahmes Schoßhündchen zu präsentieren. Doch ganz so läuft die Chose nicht. Sicherlich ist 'Blowback' Trickys eingängigstes und nachvollziehbarstes Album seit 'Maxinquaye' aber es ist keineswegs eine rein kommerzielle Platte. Das wird allerspätestens beim vierten Song 'Girls' deutlich, der mit Hilfe der Red Hot Chili Peppers-Members Anthony Kiedis und John Frusciante Züge eines 'American Bad Ass' Kid Rock aufweist und eigentlich so gar nicht auf das Album passt. Bei 'Bury The Evidence' schwingt sich gar eine Gitarre auf, bei denen eingefleischte Gothic/Wave-Fans glauben könnten, Lacrimosa wären mit am Start. Egal.
Über den Sinneswandel von Tricky ist bereits im Vorfeld der Platte viel geschrieben worden. Er wolle jetzt endlich die Platte machen, die seine Fans schon lange von ihm erwarten. Da gibt es nur ein Problem. Wer ist nach allen Alben seit 'Maxinquaye' aus dem Jahre 1995 denn jetzt immer noch ein Fan der ersten Stunde? Und wer mit den Alben dazwischen Fan geworden ist, will 'Blowback' womöglich gar nicht haben. Das schien auch Tricky gewusst zu haben und umgeht durch geschickt eingebaute Kompromisse einen 'Krieg der Tricky-Fans'. 'Blowback' ist so versiert arrangiert und gespickt mit stilistischen Feinheiten, dass keine Seite wirklich Verzicht üben muss. Ein feiner Drahtseilakt, den Tricky da vollführt und der auch stimmig rüberkommt. Denn erstens ist man von Tricky ohnehin gewöhnt, dass er macht, was er will und zweitens hat Tricky genug Reputation, um auf alle Ewigkeit sowohl als Sound-Künstler als auch als Sound-Tüftler geehrt zu werden.
Die anderen namhaften Mitstreiter wie Ed Kowalczyk von Live, der mit seiner Stimme die erste Single 'Evolution Revolution Love' veredelte oder Cyndi Lauper, Alanis Morissette, Ambersunshower und der Jamaikaner Hawkman helfen Tricky, 'Blowback' zu einem abwechslungsreichen und facettenreichen Album zu machen. Einer der vielen Höhepunkte von 'Blowback' ist dabei sicherlich 'You Don't Wanna' mit der Sängerin Ambersunshower.
Insgesamt ist der beschriebene Imagewechsel von Tricky nicht so sehr als radikal als vielmehr als nachvollziehbarer Rückschritt aus der Antihaltung zu verstehen. Den kann jeder getrost und gerne mitmachen.

Highlights:
You Don't Wanna
Evolution Revolution Love
Five Days
Girls

Discography:
1995 Maxinquaye
1996 Pre-Millennium Tension
1996 Nearly God (Side-Project)
1998 Angels With Dirty Faces
1999 Juxtapose
2001 Blowback

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