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Label: V2 Records
von Ralph Buchbender
Wer kann den deutschen HipHop jetzt noch retten? Seit Monaten wird von nichts anderem mehr gesprochen, wenn es um deutsche HipHop-Newcomer geht. Der Ausverkauf, der von der Subkultur zum Mainstrem gewachsenen Szene, wird gerne zitiert, um Newcomer interessant zu machen. Hier wird viel herbeigeredet, was noch lange nicht Sache ist. Deshalb lässt mich auch die Anspruchshaltung des Departments aus Berlin erstmal kalt. Mal hören, was sie wirklich zu sagen haben. Schnell wird klar, dass die in Musikerkreisen seit Jahren bekannten drei Musiker Bruder, Kronstädter und Hinnack eindeutig politisch Stellung beziehen. Was ihnen schon mal einen Vorsprung anderen Necomern gegenübern einbringt. Doch Vorsicht! Denn Sozialkritik, Politik und HipHop hat schon bei Anarchist Academy nicht wirklich funktioniert. Warum sollte es beim Department anders sein? Oberflächliches Ersthören bringt folgenden Eindruck: Die meisten der hier aufgelaufenen Tracks gehen mir einfach auf die Nerven. Da wird zuviel probiert und verkopft gehandelt. Vorhandene Songstrukturen 'müssen' quasi krampfhaft zerstört und 'entpopppt' werden, sonst geht das Image flöten. Die Tatsache, dass auch hier nicht konsequent gehandelt wurde, macht Das Department ebenso inkonsequent wie auch wieder sympathisch.
Denn eine Kollaboration mit den H-Blockx wie in 'Tinitus' ist im Grunde nicht pc, wenn man es ganz genau nehmen würde. Doch schon auf der Bühne in Scheeßel, als Das Department den Münsteraner Crossoverpionieren aus der Personalmisere half, machten sie keine schlechte Figur. Schließlich wirkte Department-Member Bruder auch bei der, allerdings mäßigbegabten, Hardcoreformation Gunjah mit und weiß, wie HC-Attitüde geht.
Zu Hause sind Das Department allerdings überall und nirgendwo. Das macht die Platte ebenso vielfältig wie zerrissen. Wenn nach den Gitarren-Attacken auf einmal mit 'Hang Up' smoother R&B ertönt, fragt man sich unwillkürlich, ob der CD-Wechsler nicht selbsttätig auf Shuffle umgestellt hat. Nichts gegen Bandbreite, aber Das Department irrt ein wenig zu ziellos umher. Botschaften der Punkveteranen Slime im 'Bullenbeat' verdeutlichen nur, was wir ohnehin längst wissen: Die HipHopper der Neunziger waren schon die Punker der Siebziger, da kommt Das Department im 21. Jahrhundert ein paar Jahre zu spät.
Und Boris Beckers Bin-ich-schon-drin-Werbespruch im Track 'Vernetzt' dazu zu benutzen, um für die Bandsite www.dasdepartment.com Werbung zu betreiben, ist beim zweiten Hinhören auch nicht wirklich originell sondern eher aufdringlich.
Bleibt unter dem Strich ihr Engagement zu loben, ihre Vielseitigkeit zu preisen und ihre subversive Intention zu stärken. Oder ihr Engagement als zu verkrampft zu kritisieren, ihre Vielseitigkeit als unentschlossene Zerrissenheit zu bezeichnen und ihre subversive Intention als Jahre zu spät zu erkennen. Also genau das, was sie bestimmt wollen: Polarisation erzeugen. Bitte schön.
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