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Label: Virgin
von Ralph Buchbender
Was für ein cooler Typ. Als eingefleischter Frankreich-Fan und Szene-Beobachter kenne ich Manu Chao schon als Kopf der Rockband Mano Negra. Die hat in französischen Musiker- und Fankreisen Denkmal-Status und ist neben Les Negresses Vertes und Noir Desir die wahrscheinlich einflussreichste französische Rockband der Neunziger Jahre. Damals noch stark vom Punk beeinflusst, hat sich Manu Chao seit der Auflösung von Mano Negra Mitte der Neunziger Jahre durch diverse Südamerika-Trips längst den sonnigeren Tönen zugewandt. Beweismittel A legte er 1998 mit seinem Solo-Debüt 'Clandestino' vor. Der Vertreter der Anklage musste daraufhin sein Plädoyer ändern und stimmte für nicht schuldig. Das Urteil lautete denn auch 'nicht schuldig' an Verbrechen gegen die Menschlichkeit wegen unerträglicher Verbreitung musikalischer Umweltverschmutzung. Der 'King Of Bongo' traf mit seiner Soloscheibe genau ins Schwarze. Spritzig, witzig, frech und verdammt cool. Keine Frage, das würde 'El Clandestino' nicht mehr toppen können. Wozu auch? Schließlich war er freigesprochen worden. Doch was macht der freche Kerl? Legt selbst Berufung ein und stellt sich freiwillig erneut. Beweisstück B 'Proxima Estacion Esperanza' soll auch die nächsthöhere Instanz von der Unschuld Manus überzeugen. Dafür geht Manu wieder auf die Straße. Natürlich erinnert 'Proxima Estacion Esperanza' an 'Clandestino', schließlich sind auch die neuen 17 Unschuldsbeteuerungen eine Hommage an die Sonne, an die Freiheit und, ganz wichtig, an die Straße. Manu Chao trifft man überall da an, wo südländische Straßenmusiker ihre Bongos, Gitarren, Ukulelen oder exotische Blas- oder Zupfinstrumente bedienen. Unvorstellbar, dass so ein Album im November veröffentlicht wird. Es sei denn, man wohnt Down Under. Die Sonne im Herzen, das Lächeln im Gesicht und die Cocktails auf dem Tisch - die ersten Assoziationen weichen jedoch bald dem anderen Gesicht seiner Musik. Denn Manus Musik ist auch die Musik der Straßenmusiker, die in den halbzerfallenen Hütten am Rande der Touristenstädte wohnen. Neben der ansteckenden Fröhlichkeit weckt 'Endstation Sehnsucht' mehr als sein Vorgänger den Wunsch nach einer Kontonummer, die Spenden entgegennimmt. Nicht umsonst beginnt sein Album mit dem 'Merry Blues', einer Hommage an die Wurzeln der südländischen Straßenmusiker und an New Orleans. Der Cosmopolit Manu Chao hasst nichts so sehr wie Grenzen und Schranken. Seine Songs sind deswegen ebenso vielsprachig wie multikulturell. Nordafrika, Südamerika, Karibik, Spanien, Mexiko, Portugal oder Frankreich scheinen seine Heimat zu sein. In Wahrheit aber wohnt Manu Chao in allen offenen Herzen dieser Welt.
Der Staatsanwalt beugt sich also ein zweites Mal den erdrückenden Beweisen: Eindeutig nicht schuldig, Herr Chao. Er kann das Gebäude wieder mal als freier Mann verlassen. Das tut er sowieso am liebsten...
Highlights:
Me Gustas Tu
Eldorado 1997
Mr. Bobby
Discography:
1998 Clandestino
2001 Proxima Estacion Esperanza
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