Stone Temple Pilots


Stone Temple Pilots
Shangri-La Dee Da
eastwest

Stone Temple Pilots - Shangri-La Dee Da

21.06.2001

Label: eastwest

von Ralph Buchbender

Was für ein komischer Titel. Shangri-La Dee Da! Ist STP-Sänger Scott Weiland jetzt seinem Guru begegnet? Hat er, wie weiland die Beatles, die indische Musik für sich entdeckt? Oder wandelt er gar völlig auf den Pfaden eines Kula Shaker Crispian Mills? Gleich werde ich es wissen. Wenn ich erstmal diese verdammte Plastikhülle entfernt habe, geht's los. Welcher Idiot ist eigentlich für Plastikfolie über Plastikhüllen verantwortlich? Sofort ins All mit dem Kerl.
Jetzt aber. Bin ganz schön neugierig, wie STP es fertig bringen wollen, ihrem letzten Brüller 'No. 4' das Wasser zu reichen. Das sie 'No. 4' überbieten könnten, wage ich gar nicht erst zu hoffen. Los geht's mit dem Knaller 'Dumb Love'. Yesss. Das geht. Vielleicht doch? Nicht zuviel verlangen. Wer nichts erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden. 'Days Of The Week' wird die Single werden. Warum auch immer. Kein schlechter Song, aber 'Coma' kann mehr. Geht aber natürlich nicht als Single, weil zu knallig und zerrissen. Coole Turns, satte Riffs und so überhaupt nicht 'Shangri-La'-mäßig. Hier wird gerockt und kein Blumengebinde ins Haar gesteckt.
Nach vier Songs stellt sich bereits Zufriedenheit ein. Hier kann eigentlich nichts mehr schiefgehen, schließlich sind die Steintempler am Werk. Doch das Grauen hat einen Namen. Und der beginnt meistens mit 'Wonderful'. Was zum Teufel machen die hier? Bon Jovi kopieren? Plattenfirmen-Marketingchefs befriedigen? Schnell skippen und hoffen. 'Black Again' ist am Start und verrichtet Versöhnarbeit. Bis zum Gesang. Hier ist 'Shangri-La' im wahrsten Sinne des Wortes angesagt. Aufhören! Geht ja gar nicht. Ich will meine Steintempelpiloten wieder haben. Die sind zwar auch auf 'Hello It's Late' noch nicht wirklich aufgewacht, doch hier wird die Kurve besser genommen. Als staatlich anerkannter Rockballadenhasser kann man mir mit so einem lahmen Kuschelmist nicht leicht kommen. Doch 'Hello It's Late' ist die Form von langsamen Rocksongs, die nur Profis ohne platte Kuschelattitüden performen können. Feeling, Melancholie und trotzdem nicht peinlich - etwas, was 'Hello It's Late' vermitteln kann und darauf kommt es an. Nichtsdestotrotz: Genug Schmusekurs, jetzt will ich wieder rocken. 'Too Cool Queenie' ist mir zu britisch um als Stone Temple Pilot-Song durchzugehen. Solche Songs sollten Oasis machen. 'Regeneration' ist also angesagt. Auch sehr britisch. Was ist los mit STP? Hat Scott Weiland seine letzte Entziehungskur in London verbracht? 'Bi-Polar Bear' langweilt nur am Anfang und wird dann noch richtig gut, 'Transmission From A Lonely Room' ist allerfeinste Stone Temple Pilot-Kost und dann kommt der Hammer: 'A Song For Sleeping'! Ein Lullaby von Scott für seine Fans. Gnade. Doch wie immer im Leben gibt es ein Happy-End. Man muss nur lang genug darauf warten können. Und bescheiden bleiben. Denn der Überhammer ist 'Long Way Home' auch nicht, aber doch so etwas wie ein versöhnlicher Abschied.
Hab's mir doch gleich gedacht: 'No. 4' ist besser. Um Längen. Pulver verschossen? Abwarten. Nach 'Tiny Music (Songs From The Vatican Gift Shop)' hatte ich auch nicht mehr mit so einer Platte wie 'No. 4' gerechnet...

Highlights:
'Dumb Love'
'Coma'
'Days Of The Week'

Tracks:
'Dumb Love'
'Days Of The Week'
'Coma'
'Hollywood Bitch'
'Wonderful'
'Black Again'
'Hello It's Late'
'Too Cool Queenie'
'Regeneration'
'Bi-Polar Bear'
'Transmissions From A Lonely Room'
'A Song For Sleeping'
'Long Way Home'

Discography:
1992 Core
1994 Purple
1996 Tiny Music (Songs From The Vatican Gift Shop)
1999 No. 4
2001 Shangri-La Dee Da

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