Waldeck


Waldeck
The Nightgarden
BMG Ariola

Waldeck - The Nightgarden

21.06.2001

Label: BMG Ariola

von Ralph Buchbender

Alles beginnt wie immer. 'Slowly'. Langsam ganz langsam kommt der Wiener Elektrotüftler um die Ecke und zieht uns in seinen 'Nightgarden'. Doch irgendwie kommt einem alles vertraut vor. Smoke City und 'Underwater Love' lauten die ersten Assoziationen. Joy Malcolm, die früher bei Incognito die Stimmbänder vibrieren ließ, gesellt sich jetzt zum Altbekannten. 'Slowly' weitet sich aus, wird zum Flächenbrand, zur immer größer werdenden Lawine, die uns mit ins Album walzt. Zerstörerisches ist von der Lawine allerdings nicht zu erwarten. Der typische Wiener Charme von Waldeck, den wir auch an seinen Kollegen Kruder & Dorfmeister oder den Sofa Surfers so schätzen, will nichts zerreißen sondern zusammenfügen. Wieder beispielhaft dafür: 'Slowly'. Ein Element gesellt sich zum anderen und der Sound beginnt zu wachsen. So hat Waldeck auch schon auf seinen früheren Werken wie 'Balance Of The Force' und 'Northern Lights' gearbeitet. Erinnerungen an 'Aquarius' werden wach. Fand ich ganz schön klasse damals. Zwei Versionen von einem Lied auf einem Six-Track-Album. Aber, ja natürlich, jetzt fällt es mir wieder ein. Die zweite Version trug doch schon den Namen 'Aquarius (Underwater)'. Das war 1996. Eher früher, denn die Rough Mixes sind schon in Waldecks früher Karriere, die 1992 mit musikalischen Tätigkeiten begann, entstanden. Also: Alles beginnt mit Waldeck. Vergessen wir Smoke City. Vergessen wir aber auch Kruder & Dorfmeister, denn wer wen inspiriert hat, ist schwer zu sagen. Und Waldeck hat Joy. Ein Song wie 'Tears Running Dry' ohne Joys Stimme? Undenkbar. Aber wer trällert da eigentlich auf 'Waiting'? Bryan Amos? Mut zur Lücke, den Mann kenne ich nicht. Verführerisch lauert er uns auf, wie alles bei Waldeck. Waldeck ist ein Taucher. Einer der ganz tief nach unten kommt und selbst die für immer verloren geglaubten Wracks entdeckt. Doch anders als die geldgeilen Kollegen plündert er das Wrack nicht aus, er taucht nicht einmal hinein sondern beschreibt uns einfach was er sieht: Atmosphäre unter Wasser. Dort gibt es die 'Fallen Angels', den 'Catpeople Dub', die... Moment mal. 'Catpeople'? Ewa die 'Catpeople'? Die von dem Bowie? Genau die. Waldeck entdeckt eine Unterwasser-Leiche. Jetzt wird die Beschreibung schaurig. Denn Bowie wird nicht zum Leben erweckt. Es wird immer nur beschrieben, was Waldeck sieht. Es entsteht überhaupt keine Sehnsucht danach, jetzt mal wieder das Original zu hören. Waldeck zieht weiter. Und entdeckt die zweite Leiche. 'I Talk To The Wind', unter Wasser ohnehin etwas schwierig, bleibt eine King Crimson-Lüge. Faszinierend sind Waldecks Beschreibungen des Hässlichen, des Schaurigen und voller Überraschungs-Momente. Immer vermutet man die aus Gruselschockern sattsam bekannte auftauchende Hand, die plötzlich von hinten nach dem Opfer greift. Die Atmosphäre im 'Nightgarden' bleibt bis zum Schlusstück und ersten Single 'This Isn't Maybe' deep. So sagt man im Fachjargon der allwissenden Kollegen, die gerne immer wieder dieselben Wörter für meistens völlig unterschiedliche Dinge verwenden. Doch dieses Mal haben wir recht: Deep passt. Bis zu 'This Isn't Maybe'. Hier wird Oberfläche erreicht, hier wird aufgetaucht und Sonne getankt. Morgen melde ich mich zum Bronzekurs der Taucher an. Denn Waldeck will ich beim nächsten Mal begleiten dürfen.

Highlights:
'Slowly'
'Tears Running Dry'
'Waiting'

Verwandte Klänge:
Kruder & Dorfmeister
Smoke City

Discography:
1996 'Northern Lights'
1998 'Balance Of The Force'
1998 'Balance Of The Force-Remixed'

Mehr zu Waldeck

Weitere CD-Kritiken bei Yahoo! Musik...