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Label: Virgin
von Wiebke Joester
Letztes Jahr haben uns Madrugada mit ihrem ersten Longplayer 'Industrial Silence' regelrecht aus den Socken gehauen und mit entsprechend gemischten Gefühlen geht man dann an das nachfolgende Album ran. Einerseits freut man sich ungemein, dass die Band einen nicht mehrere Jahre hat warten lassen, andererseits kommen die Zweifel in den Sinn. Wer weiß, was einen erwartet. Was ist, wenn sich der Stil geändert hat? Wenn das vorherige Album nur eine lobenswerte Ausnahmeerscheinung war? Dem Kommerz nun Tribut gezollt wird?
Aber schon nach wenigen Takten von 'The Nightly Disease' darf man aufatmen. Da ist wieder dasselbe Gefühl wie bei 'Industrial Silence'. Um einen herum wird es düster, fast ein wenig unheimlich, als ob das Grauen direkt um die Ecke stünde. Die Stimme von Sänger Sivert ist immer noch durchdringend, bei manchen Tracks scheint er seine Zuhörer geradezu hypnotisieren zu wollen. Wieder schluchzt die Gitarre, quillt Melancholie aus jeder Note. Ein bisschen kühler wirkt das Ganze und diesmal gibt es bei 'Sister' auch eine weibliche Duettpartnerin. Man sollte also keinesfalls denken, dass die Norweger sich einfach nur wiederholen würden. Madrugada verfolgen halt konsequent ihren Stil, bleiben Kompromissen hartnäckig abgeneigt.
Nach 'The Nightly Disease' braucht man jedenfalls keine Angst mehr zu haben, wenn Madrugada ihr nächstes Album vorlegen werden. Dafür könnte es sein, dass man sich nicht mehr traut, ohne Licht einzuschlafen. Denn diese Musik vermag dasselbe Gefühl zu vermitteln, das man als Kind hatte, wenn man alleine in den dunklen Keller gehen musste. Als ob einem noch irgendetwas auflauern könnte. Man weiß nicht, was. Aber man dreht sich vorsichtshalber immer mal wieder um und pfeift ein Lied vor sich hin. Zum Beispiel 'Step Into This Room And Dance For Me' oder 'A Deadend Mind' oder 'Only When You're Gone' oder eine der anderen fabelhaften neuen Kompositionen aus dem Hause Madrugada.
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