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Label: Gun
von Wiebke Joester
Na, wenn da die Wurzeln mal nicht im guten alten Heavy Metal liegen. Bei Rage kreischen die Gitarren, wallen die Mähnen und bangen die Köpfe.
Wobei es sich aber nicht um den altbekannten schwerfälligen Harte-Männer-Metal handelt, sondern um eine lockere Abart, die dennoch auf dem schmalen Grad der Beliebigkeit ihren Weg findet und nicht ins Poppige abdriftet. Auch wenn sich ein wenig Patina und Pathos an dieser Art Musik festgesetzt haben, wie man bereits an der Aufmachung der CD und Titeln wie 'Paint The Devil On The Wall', 'Point Of No Return' oder 'Riders On The Moonlight' bemerkbar macht, wirkt sie nicht altbacken, sondern vielmehr im positiven Sinne traditionell.
In dieser Musikrichtung ebenfalls sehr beliebt ist das Epos-artige, was sich hier in dem viergeteilten Track 'Tribute To Dishonour' äußert. 'R.I.P.', 'One More Time', 'Requiem' und 'Crucified' klingen voluminös, nicht zuletzt durch Streicher und großzügigen Keyboard-Einsatz. Das macht in diesen musikalisch unsicheren Zeiten aber nichts, sondern wirkt sich eher angenehm auf das Gemüt des Hörers aus und hinterlässt ein Gefühl der Geborgenheit. Hier weiß man, was man hat und irgendwie erinnert es einen so schön an die Jugendzeiten, in denen Guns’n’Roses einem mit 'November Rain' das Herz brachen und Hits noch die Schallmauer von drei Minuten zu durchbrechen vermochten.
Der Wechsel zwischen kraftvollem Metal und fast schwülstigem, balladeskem Stil, zwischen schnell und hart sowie herzerweichend soft gelingt Rage, sie wissen beides gekonnt zu kombinieren. Stiftung Musiktest bestätigt 'Welcome To The Other Side' die Eignung, sowohl dezent kopfnickend mit langhaarigen, Iron Maidon-T-Shirts tragenden Freunden Weizenbier trinkend, in dunklen Clubs Luftgitarre spielend und Haupthaar schüttelnd, aber auch gemütlich nach Feierabend zu Hause auf dem Sofa sitzend gehört werden zu können.
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