Anywhen


Anywhen
The Opiates
Clearspot/EFA

Anywhen - The Opiates

08.02.2001

Label: Clearspot/EFA

von Wiebke Joester

Bei 'Dinah And The Beautiful Blue' klingen Anywhen, als ob Type-O-Negative ihr Abo beim Fitnessstudio gekündigt und sich stattdessen dem Lesen schwülstiger Lyrik zugewandt hätten, um dann ohne Strom Musik zu machen. Eine ähnlich düstere Stimme wie der 'negative' Pete Steele, aber ganz sanft und gar nicht so todesverkündend eingesetzt. Dazu Streichinstrumente en masse, so dass ein weicher Klangteppich entsteht, dessen Sog man sich schwerlich entziehen kann.

Doch es wird einem schnell klar, dass das noch nicht alles ist. Thomas Feiner kann auch oberhalb der Grabesstimme singen, einschmeichelnd und klar. Ganz wundervoll ist das, wie dem Hörer hier Gefühle ohne Schmalz dargeboten werden. Man möchte die Arme ausbreiten und durch den Raum schweben. Die Tindersticks kommen mir in den Sinn, aber Anywhen klingen dann doch um einiges dichter und weniger selbstmordgefährdet. Selten findet man Musik, die gleichzeitig so viel Intensität hat und einen dennoch nicht in Melancholie versinken lässt.

Dieses Album ist wunderbar für ruhige Schlechtwettertage geeignet, an denen man es mit einem Glas Wein in der einen Hand und wahlweise einem guten Schmöker oder dem lange vernachlässigten Tagebuch in der anderen genießen kann. Oder aber einfach nur im Dunkeln rumsitzt und den unglaublichen Klängen lauscht. Hoffentlich regnet's nächstes Wochenende.

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