Die Erben der Scherben


Die Erben der Scherben
Keine Macht für Niemand
Bigpop/Virgin

Die Erben der Scherben - Keine Macht für Niemand

03.01.2001

Label: Bigpop/Virgin

von Stefan Orth

Ton Steine Scherben, die Urväter linksgerichteten Agit-Rocks in Deutschland, sind derzeit wieder ziemlich angesagt: Nach der Tour der verbliebenen Mitglieder unter dem Namen "Neues Glas aus alten Scherben" erscheint nun ein Tributalbum zu ihrem `72er Meilenstein "Keine Macht für Niemand", auf dem sämtliche Songs des Originals, einige mehrfach, von heutigen Künstlern in ein modernes Gewand gebracht werden. Wer jetzt aufgrund der Thematik eine Punk-Scheibe erwartet, liegt jedoch völlig daneben, da ein Großteil der vertretenen Acts aus der (meist Berliner) HipHop-Szene stammt.

Sehr gelungen ist die relaxte Version von "Schritt für Schritt ins Paradies" mit Thomas D. am Mikrofon, in "Der Traum ist aus" kann Nina Hagen mit einer intensiven Gesangsperformance überzeugen, und Blixa Bargeld unterstreicht die Titelzeile von "Allein machen sie dich ein" mit einem minimalistischen beinahe-A Capella-Arrangement. Schorsch Kamerun nennt seine (übrigens im Booklet textlich leicht abgeänderte) "Menschenjäger"-Variante G8-Version, um auf die auch 28 Jahre später noch vorhandene Aktualität des Themas "Schreibtischtäter" hinzuweisen. Schön sind auch die Tracks von Henning Wehland (ungewöhnlich für den H-Blockx-Sänger: Die mit flirrenden Clubsounds unterlegte Ballade "Schlaf bei mir"), Das Department, Daily Milk und Sen, leider fällt das restliche Material dagegen ziemlich ab.

Schon interessant zu sehen, was für unterschiedliche Musiker von dieser Band bzw. diesem Album beeinflußt wurden, allerdings erreicht erwartungsgemäß leider keiner wirklich die Intensität und Glaubwürdigkeit des Originals.

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