Joan Osborne

Joan Osborne - Righteous Love

25.10.2000

Label: Motor

von Bluepen

Lange, lange hat es gedauert bis Joan Osborne, die Songwriterin, die 1995 den CD-Kometen "Relish" aus dem Nichts unter die Augen einer großen Öffentlichkeit schoss, zurückkehrt ist, und dass ihre Odyssee sie viele Erfahrungen sammeln ließen, ist auf "Righteous Love" offenkundig. In die bereits bekannte gebündelte Prägnanz und Direktheit ihrer R & B geprägten, gut geerdeten Darbietung finden sich Exotica ein. Im Opener "Running Out Of Time" zum Beispiel sind dies geschmackvoll eingesetzte Indian Fragments in den Guitars oder die erstaunlich stimmigen orientalischen Strings, die "If I Was Your Man" zielsicher in Erinnerung bleiben lassen. Dabei kann sich dies nicht auf Verspieltheit, Abwechslungsbedürfnis oder Experimente gründen, denn Joan Osborne meint es, bar jeden Zweifels, in allem ernst. Man spürt förmlich auf der Haut, hier soll aufgepasst werden, was sie zu sagen hat.

Vom zurückgefundenen Vertrauen in die Wahrheit der Liebe, über Absage an Selbstbemitleidung bis hin zur kritischen Selbstreflexion, inwieweit der soziale Absicherungswahnsinn auch sie als Musikerin tangiert, reicht das Spektrum ihrer Texte. So wundern die beiden ausgewählten Cover-Nummern nicht, ein sehr kraftvoll und funky interpretiertes Gary Wright Seventies-Liedchen "My Love Is Alive" und die End-Neunziger Dylan Nummer "To Make You Feel My Love". Letztere ist besonders gelungen, handelt es sich doch um einen beeindruckend ehrlichen Song über Geborgenheitsbedürnis und Osborne, die auf Substanz steht, fährt natürlich zu Hochform auf. Auf ihrem Stück "Safety In Numbers" schliesslich atmet ihre charakterstarke, leicht männliche Stimme dermassen schön, als ob eine raue Katzenzunge über die Haut leckt, trocken und doch sehr, sehr angenehm. Rundum, "Righteous Love" ist eine zwar konventionelle, doch feine und würdevolle Songwriter-Scheibe.

DocRock

(DocRock)

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