Ziggy Marley And The Melody Makers

Ziggy Marley And The Melody Makers - Spirit Of Music

21.08.2000

Label: Elektra

Eine urige Mundharmonika setzt ein zu weichen Buschtribals, und im Booklet steht der Name Taj Mahal. Reggae? Und ob, denn hier war Produzent Don Was mit am Werk. Spröde aber ausserordentlich charmant geht es weiter, und das passt verdammt gut zu der Stimme von Ziggy. Doch dann will das Wundern kein Ende mehr nehmen: Das war kein Gimmick am Anfang, den man sich gönnt, ehe man wieder nach der kommerzsicheren Stromlinienform schielt. Denn obschon Beats einsetzen und der Sound ein wenig fetter wird, will die wilde Direktheit im Sound nicht weichen.
"Beautiful Day" ist ein Relikt einer früheren Inkarnation von Bob Dylan, per Zeitmaschine ins dritte Jahrtausend versetzt und mit Stimmbändern versehen, die im normalen Sinne zu singen vermögen.
Cooler Rasta-Blues auf "Gone Away" wird nach einem der beiden Daddy Bob-Tributes vom relaxten Durchatmer "Higher Vibration" übernommen, der richtig high macht ohne Lungenschwärzung und mit seinen Mitsing-Refrains auffrischt.
Südstaaten-Anklänge mit Rasseln im Reggae? Wieder kein Problem, wie "All I Need Is You" den Beweis liefert.
Nachdem man aus Respekt vor dem zauberhaften Toaster-Highlight "One Good Spliff" in die Kissen versinkt, schnellt man gleich wieder vor und sagt "wow" zu der Möglichkeit, einmal wieder das Bassgenie Aston "Family Man" Barret bewundern zu dürfen, den unfehlbaren Fels in der äthiopischen Brandung.
Trompeter Mark Isham und Lili Haydn an der Violine zieren "Months Of Sunshine" und sind so etwas wie der rote Teppich im Thronsaal der heiliggesprochenen Reggae-Songs. Denn man schreitet zu "Many Waters", einer zeitlosen Songschönheit von groovender Transparenz. Einmal gehört, bleibt diese so lange in der Erinnerung wie das Blau des Himmels, und das ist keine Frage des Glaubens.
Kurz vor Ende gibt es mal ausnahmsweise Loop-Programmierung und E-Gitarre, doch steht dieser etwas vollere Busch gut im Kontext.
Barret ist noch mal gnädig wie Jah und die Engel spielen durch Legende Dean Fraser auf perfekten Saxophonen. Melody Makers Abschied bis zum begehrenswerten nächsten Mal.
*****(*)

(jf/DocRock)

DocRock

(DocRock)

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