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Label: EMI
Das muss man ihnen lassen, Teufel und seine vier Gespielen haben am Prenzlauer Berg was verflucht Faszinierendes ausgebrütet. Industrial-Knochen mit Metal-Gewürzen und mittelalterlichen Fleischbrocken von Dudelsäcken und Schalmeien zusammenzurühren und auf groovender Flamme im Techno-Trance aussieden zu lassen, habt Ihr das von Luzifer, Jungens? Gott soll Lügen strafen, aber es kann nicht nur an Extrabreit-Produzent Tommy Hein und seinen Tonstudios liegen, da hat ein Doktor Faustus sein Blut mit im Spiel. Verschrieben haben muss er´s. Wem? Das spricht aus jeder Zeile, tönt aus jeder Drumscheit, jeder Drehleier.
Doch die Jünger haben die sicherlich authentische magische Kraft nur teilweise zu nutzen verstanden. Die meisten Songs sterben an unsäglichen Refrains, deren Texte und Melodien sich einander verweigern. Die Version "Bitte, bitte" der Ärzte-Masoballade funktioniert nicht. Nur auf Dorfdiskos, Swingerclub-Veranstaltungen von schwarzen Messen und SM-Orgien für arme Leute dürfte der Sakrileg geduldet werden. Was hat Euch geritten, euren Meister derart zu betrügen!
Zweimal wenigstens war seine Magie stärker als das Spötteln Gottes: "Die Drohne" ist ein unglaublich genialer Song. Die Musik packt einen mit ihren Krallen, während Teufels Stimme unser Fleisch zerschneidet. Eine Drohne aus jenseitiger oder diesseitiger anderer Welt vollzieht am Hörer einen traumatischen Akt sexueller Nötigung, der es in sich hat. Beethovens Melodie der Verbrüderungs-Hymne der 9. Symphonie mit Goethes Verneinertext zu paaren, ist herrlich. "Ich bin ein Teil von jener Kraft, die Böses will und Gutes schafft. Ich bin der Geist der stets verneint, der Böses will und Gutes meint". Und "Freude schöner Götterfunken", gespielt von Dudelsäcken, in den Raum geschleudert mit brachialen Heavy-Riffs, unbelievable.....Tanzwut macht tanzwütig und wütend, denn zu viele echt innovative Einfälle wurden verspielt. Die plakative Rammstein-Attitüde wäre wirklich nicht nötig gewesen.
(***)
(J.F./DocRock Show)
DocRock
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