Bryan Ferry

Bryan Ferry - The Best Of The Ballads

20.07.2000

Label: Virgin

Der Inhalt des Titels hält was er verspricht: 14 der insgesamt 18 Tracks können nur als überragende Liebessongs von schier zeitlosem Format bezeichnet werden. Brian Ferry, Leadsänger der britischen Kultband Roxy Music, die in den 70er Jahre Vorbild und Maßstab vieler Anderer war, ist zwar beileibe keine Ausgeburt stilistischer Verwandlungskünste wie es etwa bei Bowie zeitgleich der Fall war, doch hat er einen Instinkt für das Wesentliche, und insbesonders das, was er am besten kann, und dies hat sich in den letzten 30 Jahren ausgezahlt. Ferry ist in seiner Rolle als Sänger und Musiker eine archetypische Figur geworden: Seine Mischung aus Schick, Glamour, Sex-Appeal ,Charme und Witz mit klug dosierten Anflügen von Ergriffenheit und Nostalgie sind bis heute unverwechselbar geblieben.

"Slave To Love" ist sein `nomen est omen´ und bildet den gelungenen Auftakt der vorliegenden Sammlung von Balladen, von dem Titel-und Schlussong "These Foolish Things" seines Debut-Albums als Solomusiker aus dem Jahre 1973 bis hin zu zwei schönen Beiträgen des letztjährigen Cover-Albums "As Time Goes By". Ausgewählt wurden zu Recht der Dietrich-Klassiker "Falling In Love Again" (in einer geradezu folkloristisch anmutenden Streicher-Version) und "Where Or When".
Neben eingängigen Popnummern wie dem männlich kraftvollen "Smoke Gets In Your Eyes" und dem eher konventionellen Roxy Music-Track "Avalon" findet sich auch die ungewöhnliche Vertonung eines Shakespeare-Sonnets ("Sonnet 18"). Gospelanklänge auf dem herzergreifenden "Crazy Love", die für Ferry erstaunlich düstere Atmosphäre von "Bete Noire", das leicht jazzige dahintreibende "Windswept", seine Songs weisen trotz Grundduktus immer wieder neue Schattierungen auf.
Zu loben ist, dass sich auf der Zusammenstellung auch "Jelaous Guy", diese kongeniale fette Interpretation eines Lennon-Songs mit den ultrabreiten Saxs von David Sanborn findet, und ebenso jene zwar simple aber effektsichere Schmuse-Tanznummer "Will You Love Me Tomorrow".

Wenn man am Ende das phantastische "My Only Love" hört und beim finalen Gitarre-Solo erschauert, staunt niemand mehr, warum Ferry von Anfang an bei den weiblichen Zuhörern geradezu Kultstatus genoss.

(J.F./DocRock Show)
*****

DocRock

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