Marlene Dietrich

Marlene Dietrich - Records 1928 - 1933

20.07.2000

Label: SPV

Es gibt unzählige Ausgaben mit Kompilationen von Marlene Dietrich-Aufnahmen. Dabei handelt es sich jedoch zumeist entweder um Billigversionen mit nervendem Klangergebnis oder um geglättete, doch nur vordergründig befriedigende High Tech-Ausgaben, die so viele Zeitspuren wie möglich zu beseitigen und ein heutigen Hörgewohnheiten kompatibles Klangbild zu bieten versuchen.
Vorliegende Veröffentlichung geht einen anderen Weg. Die digitale Technik wird zwar genutzt, aber nur für einen möglichst vollständigen Transfer der direkt vom Grammophon übertragenen original Schelllack-Platten. Auf eine nachträgliche Bearbeitung oder gar Ausfilterung der Laufgeräusche der Nadel in der Tonrille wurde bewusst verzichtet.
Ergebnis ist eine faszinierende Atmosphäre aus authentischen Nebengeräuschen und ein sehr lebendiges Klangspektrum, dass mit einer ganz eigenen Ästhetik zu faszinieren weiss.

Die Lieder stammen aus den deutschen Jahren der Dietrich, ehe sie im Zuge der politischen Veränderungen nach London übersiedelte. Man hört hier eine ungewohnt frische und junge Stimme, die noch nicht die legendäre Abgebrühtheit ihrer späteren Einspielungen aufweist. Anhand des vorliegenden Materials kann man mitverfolgen wie ein junges Berliner Gör nach und nach über die Femme Fatale-Attitüde zur unnahbaren Plüsch-Diva späterer Zeiten mutiert. Die Stimme wird deutlich tiefer und träger, die Lebendigkeit weicht geheimnisvoller Kühle.

Die fesche Lola lässt niemanden an ihr Pianola, man findet alles so banal, ist wieder einmal so allein, muss achtgeben auf das Raubtier, das sich hinter dem Liebling der Saison verbirgt, und hört die schneidende Mahnung im Echoraum unseres Gewissens: "...Und wenn ich gar so glücklich wär´, hätt´ ich Heimweh nach dem Traurigsein."
Neben den weltbekannten Liedern, die zum ewigen Repertoire der Nostalgiker zählen werden, finden sich die bezaubernden Geniestreiche "Mein Blondes Baby" und "Leben Ohne Liebe Kannst Du Nicht". Ungewöhnlich interessant auch die ausgewählten französischen Nummern "Assez" und "Je M´Ennuie".
Richtig Spass macht es, dass man auf dieser CD endlich einmal erahnen kann, wie wunderbar Friedrich Holländer nicht nur als Texter und Komponist war sondern auch als Leiter seiner vorzüglichen Jazz Symphoniker. Die Nebengeräusche werden da willig in Kauf genommen.
Als Schluss-Schmankerl gibt es ihre erste richtige Aufnahme überhaupt, das recht alberne und antiquierte Revue-Terzett "Wenn die beste Freundin".

DocRock

Mehr zu Marlene Dietrich

Weitere CD-Kritiken bei Yahoo! Musik...